Feucht schlafen

So lange ich mich erinnern kann, habe ich Probleme mit den Atemwegen. Morgens, oft auch nachts zwischendurch, wache ich mit verstopfter Nase und trockenem Rachen auf und schlafe entsprechend schlecht.

Im Winter habe ich mir einen Luftwäscher (Venta LW25*) gekauft. Ich nenne ihn zärtlich „Püsterich“ und habe ihn tief in mein Herz geschlossen. Seit ich das Ding nachts laufen habe – und er die Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer inmer nur um wenige Prozent erhöht – schlafe ich nämlich nicht nur besser durch und wache nicht mehr mit (oder vielmehr: wegen) trockenen Atemwegen auf, sondern scheine noch einen weiteren Vorteil gewonnen zu haben: Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich zuletzt so wenig Allergiesymptome (Nase zu, Jucken, Husten) hatte, obwohl es schon Mitte Juni ist.

Wobei das wiederum auch nur Zufall sein kann.

 

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Feucht schlafen

Spontankauf Korrekturbrille

Seltenen Besuch gehabt, am Hackeschen Markt getroffen und danach noch ein wenig rumscharwenzelt, vulg. „shopping“. Shopping ist, wenn man die Angebote des Einzelhandels anguckt und probiert, ohne unbedingt etwas kaufen zu wollen oder zu müssen. Wenn man dann aber etwas gefunden hat, das einem gefällt, will man es auch sofort haben und nicht groß warten. Bei Brillen geht das bisher nicht, weil die Gläser bestellt werden müssen.

Auf dem Weg zum Oberholz („wollte ich dir mal zeigen“) an einem Brillenladen vorbeigekommen, dessen Angebot mich beeindruckt hat, wie schon lange nichts mehr im Einzelhandel.

Die haben eine Wand voller Einstärken-Gläser, eine kleine, aber gute Auswahl an Gestellen und, hinter einer Glaswand, eine automatische Linsenschleifmaschine zum Zugucken.

Der Sehtest im Hinterzimmer ist kostenlos und nachdem die Daten an die Maschine übertragen sind, dauert es noch 20 Minuten, zu schleifen und die Gläser einzufassen.

Käffchen trinken gehen, wiederkommen, anpassen, fertig. Die gedamte Prozedur dauert gut 30 Minuten und die fertige Brille kostet zwischen 99,- und 149,- Euro. 

Ich habe schon länger beim Herrenaustatter gewartet, um Hosen gekürzt zu bekommen, die ähnliche Preise hatten.

Spontankauf Korrekturbrille

Die Wochendämmerung

wochendaemmerungSeit einigen Wochen setzen Katrin Rönicke und ich uns zusammen, besprechen in gut 30 Minuten ein paar aktuelle Ereignisse der Woche und sagen unsere Meinungen. Das haben wir bisher hinter einem geschlossenen Vorhang gemacht, seit dieser Woche dämmern wir aber öffentlich.

Es gibt keinen, wie gewohnt leicht zu verarbeitenden, Podcast-Feed. Die Show (Gesamtliste) ist nämlich eine Auftragsproduktion für Audible, die sich davon selbstverständlich neue Kunden erhoffen. Darum könnt ihr die Sendungen nur hören, nachdem ihr euch bei Audible angemeldet habt (das geht mit Amazon-Login).

Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Show aufs Gerät zu bekommen: Entweder die Folgen einzeln „kaufen“ (kostet jeweils nix) oder als „Podcast“ abonnieren (kostet auch nix). Hier erscheint zwar ein Button „Podcast“, der dazu führen soll, dass man die Sendungen auch mit seinem eigenen Podcatcher hören kann. Das funktioniert aber leider nicht – der Techniker ist informiert.

Die Sendungen werden nicht über ein Blog verteilt, darum haben wir uns für Facebook als Rückkanal für inhaltliche Diskussionen entschieden. Mal sehen, ob das klappt.

Wir freuen auf die Erweiterung des Hörerinnenkreises 🙂

Die Wochendämmerung

Venedig

venedig

Wir waren ein paar Tage in Venedig. Im Frühjahr und im Herbst kann man gut dorthin fahren, denn dann ist es nicht so schrecklich voll. „Leer“ bedeutet beim Markusplatz ungefähr dasselbe wie „Werktag auf dem Alexanderplatz“, es ist also nicht menschenleer, aber mann kann geradeaus laufen, ohne angerempelt zu werden. Jedenfalls nicht rund um die Sehenswürdigkeiten und auf den Straßen, auf denen Touristen sich normalerweise rumtreiben, also die, auf denen es Shopping-Möglichkeiten gibt.

50 Meter abseits der Shoppingstraßen trifft man dafür aber wiederum auf kaum Menschen und noch weniger Touristen – dafür aber auf Gaststätten, die einen Besuch lohnen. An der Fondamenta Diedo beispielsweise gibt es die Craftbier-Bar „il santo bevitore“. Die liegt gerade mal 20 Meter von der Strada Nuova entfernt, einer recht stark frequentierten Einkaufsstraße, die man von der Bar aus aber nicht einsehen kann. So sitzt man schön draußen, trinkt schön Bier und kann schön das Geplärre der überforderten Teenager auf Klassenfahrt hören, ohne davon wirklich belästigt zu werden. Der Laden hat 21 Biere vom Fass – die größte, mir bisher bekannte Zapfanlage (im Berliner Doldenmädel) hatte 18 – und gefühlt 100 aus der Flasche. Dazu Personal, das genau weiß, wovon es spricht, und sehr freundlich ist zu Menschen, bei denen es merkt, dass sie nicht bloß nen schnellen Schluck in einer fancy Bar trinken wollen, sondern die sich Gedanken darüber machen, was genau sie trinken wollen und warum. Es mag tollere geben, aber das war die tollste Bierbar, die ich bisher betreten habe.

Essen kann man in Venedig sehr gut. Leider ist es häufig auch sehr teuer. Das günstige Essen ist wiederum oft sein Geld nicht wert, weil Touristen sowieso immer kommen und man sich nicht sonderlich bemühen muss. Eine gute Mischung aus nicht allzu teuer und ziemlich lecker ist die Rosticceria San Bartolomeo (auch: Rosticceria Gislon) in der Calle de la Bissa, mitten in San Marco. Das Essen hier ist typisch venezianisch (Baccalá und so), was man so oft ja auch nicht bekommt, und die Einrichtung ähnelt der einer zur Kantine erweiterten Frittenbude, was vermutlich der Grund dafür ist, dass ich dort bisher immer nur wenig Laufkundschaft habe reinschneien. Vermutlich sprechen die Angestellten dort deshalb auch nur sehr gebrochenes Englisch.

Frühstück gibt’s im Hotel, so dass ich jetzt immerhin schonmal weiß, was ich Venedig machen würde, wenn ich nur einen Tag zur Verfügung hätte.

Ich hätte auch noch ein kleines Flickr-Album im Angebot.

Venedig

Teilzeitmobbing

Ich kenne solche Geschichten bisher nur aus fernen Erzählungen und Artikeln, denn ich bin mit einem frauenfreundlichen Arbeitsumfeld gesegnet. Bilde ich mir zumindest ein – denn aus jenem Teil des Bekanntenkreis, von dem ich genau das auch angenommen hatte, kam mir am vergangenen Wochenende diese Geschichte sehr nahe:

Wohlbekannte, nordrhein-westfälische GmbH mit hohem Geschäftsführerverschleiß (vielleicht ist das ja schon ein Warnzeichen). Betriebsbedingte Kündigungen sind dort selten bis unbekannt. Projektmanagerin, seit einem Jahrzehnt im Unternehmen, wird mit 40 Mutter und arbeitet nach der Elternzeit nur noch gut 50%. Der Chef eröffnet ihr, dass sie in Zukunft nur noch als Projektmanagerin arbeiten kann, wenn sie zu mindestens 80% anwesend ist, ansosten halt Projektassistentin (notwendigerweise bei jemandem, der garantiert weniger kompetent ist als sie) oder irgendwas anderes werden muss. Irgendetwas weit unter ihrer Qualifikation halt.

Ich halte das nicht nur für das dümmste Zeug, das ich mir im Zusammenhang mit Projektmanagement vorstellen kann, denn ausgerechnet dort geht es ja schließlich um Ressourcenplanung, sondern auch und vor allem für Mobbing.

Teilzeitmobbing

„Journalist“

Ich schreibe ja schon recht lange ins Internet. Zuletzt hier. Und weil diese Version von Stackenblochen zum ersten Mal auf einem eigenen Server sitzt, hatte ich mir gedacht, ich kann ja mal gelegentlich alte Postings neu veröffentlichen, wenn ich – warum auch immer – drüber stolpere und sie immer noch aktuell oder interessant finde. „Stackenblochen Classics“ sozusagen 😀

Bei einer Unterhaltung über die Arbeitsweise von Journalisten war mir heute eingefallen, dass ich mich oft ungern als Journalist bezeichne. Warum das so ist, habe ich 2010 schonmal aufgeschrieben.

Ich hatte neulich mal gesagt, dass ich mich ungern als „Journalist“ bezeichne, weil ich Ansprüche an Journalisten stelle, die ich selbst nicht erfülle. Journalisten reklamieren für ihren Stand eine gesellschaftliche Sonderstellung – und ich finde, dass sie sich diese verdienen müssen, indem sie auch besonders sorgfältig und unfragwürdig arbeiten.
Passend dazu präsentiert Johannes Boie von der Süddeutschen Zeitung, was das Gegenteil von einer solchen Arbeit ist.

Wenn man Geschichten erzählen will, ist es wichtig, deren Ende schon im Kopf zu haben. Jedenfalls, wenn man eine erfundene Geschichte erzählen will. Bei Nachrichten verhält es sich ein wenig anders. Da sollte man ergebnisoffen recherchieren und bereit sein, sich von seiner Geschichte zu verabschieden, wenn sie doch nicht auf eine solche Weise erzählt werden kann, wie man das zu Beginn vermutet hat.

Johannes Boie hat eine Geschichte erfunden. Teil der Geschichte ist, mich als Verschwörungstheoretiker hinzustellen. Um das hinzubekommen, schreibt er „Bei Holgi heißt es dazu, das Interview sei “gekürzt worden”. … Das ist nicht nur eine  Unterstellung, sondern auch falsch.“.
Abgesehen davon, dass er mich falsch zitiert, ist das dummes Zeug. Denn selbstverständlich sind sowohl das Interview, wie auch das Transkript gekürzt worden. Wären sie nicht gekürzt worden, wäre die entsprechende Stelle mit dem, früher am Tag gesendeten, Köhler-Zitat nämlich sowohl nächträglich hörbar, als auch nachlesbar gewesen.
Boie tut, als hätte er in der Blogosphäre recherchiert, also sollte man von ihm annehmen können, dass er sich mit den Grundlagen dieser Publikationsform auskennt. Er ignoriert aber zwei für das Onlinepublizieren wesentliche Dinge. Die Uhrzeiten, zu denen Beiträge und Kommentare verfasst worden sind – und die Inhalte der Kommentare unter den Beiträgen, auf die er sich beruft. Kommentare sind integrale Bestandteile eines Blogartikels, die kann man nicht ignorieren. Er aber muss das machen, damit seine Geschichte von Holgi, dem Verschwörungstheoretiker überhaupt noch aufgeht, denn aus den Kommetaren geht eindeutig hervor, dass ich gerade nicht eine Verschwörung unterstelle, sondern einfache Schlamperei.

Seit über einem Jahrzehnt bewege ich mich in der Öffentlichkeit und bin gewohnt, dass immer mal wieder irgendwelche Trolle aus dem Wald kommen und meinen, mir am Bein rumnagen zu müssen. Bisher lag das immer daran, dass sie nicht verknusen können, dass ich zu irgendeinem Thema eine andere Meinung hatte als sie und diese öffentlich kundgetan habe – oder daran, dass ich irgendwem einfach nur unsympathisch war, diese Person aber zu stulle, einfach ein anderen Programm zu hören oder zu lesen. Das wäre die eine mögliche Begründung für das unwürdige Verhalten von Johannes Boie. Eine andere – und wie ich finde auch die weitaus plausiblere – ist einfache, dümmliche, dünkelhafte Schlamperei.

Und jemand, der so unsaubere, so unverschämte Arbeit abliefert, soll bei Polizeieinsätzen unbehelligt bleiben; soll sich auf Informantenschutz berufen dürfen, wenn er vernommen wird; soll besonderen Schutz vor Abhörmaßnahmen des Staates genießen; soll sich also „Journalist“ nennen dürfen? Dann bin ich sicherlich Journalist. Schlampig arbeiten und unverschämt sein kann ich nämlich auch.
Aber ich hätte es gerne anders. Ich hätte gerne, dass die Schlampen Schlampen bleiben und ich mich stets darauf verlassen kann, dass Leute, die sich „Journalist“ nennen, ordentliche, transparente und unfragwürdige Arbeit abliefern, der man einen Vertrauensvorschuss geben kann. Und darum nenne ich mich nur sehr ungern „Journalist“. Und Johannes Boie sollte sich schämen.

Ich war schon häufiger Gegenstand der Berichterstattung – und jedesmal, wenn Print-Journalisten dafür verantwortlich waren, ist die Nummer in ähnlicher Weise schiefgegangen. Das ist auch der Grund dafür, dass ich Print-Journalisten, im Umgang mit mir, mittlerweile nicht mehr vertraue.

„Journalist“

Gute Burger leicht gemacht

Es ist ziemlich simpel, einen Burger zuzubereiten, der von den meisten Menschen für außergewöhnlich gut gehalten wird. Und das liegt nicht nur daran, dass die meisten Menschen nur Mägges oder tiefgekühlte Frittenbudenburger kennen, sondern daran, wie das Gros der Burger, die ich bisher gesehen habe, designed wird.

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Schritt eins: Möglichst viele verschiedene Zutaten aufeinander stapeln und zu viel geschmolzenen Käse über die Boulette schwappen lassen, damit das Ding auf Instagram-Fotos spektakulär aussieht.

Schritt zwei: Möglichst exotische Kombinationen von Zutaten verwenden, oder gleich welche mit exotischen Namen, damit man auch Tage später noch bei Freunden, auf der Party im Koch/Wohnbereich, darüber fachsimpeln kann.

Schritt drei: Intensiv schmeckende Soßen, wahlweise gebratenen Speck, verwenden (gerne auch in Kombination mit Schritt zwei), damit die Kundschaft gar nicht erst merken kann, dass das Fleisch daher kommt, wo auch der Supermarkt an der Ecke einkauft. Wer diese drei Schritte befolgt, braucht sich um die Brötchen schon gar keine Gedanken mehr zu machen. Hauptsache, sie sehen nicht aus, wie Dinger, die im Lidl immer neben dem Toastbrot liegen – und fertig ist der Showburger, über den garantiert alle Welt reden wird.

Viel schwieriger ist es, einen guten Burger mit nur vier bis sechs Standard-Zutaten, Brötchen, Tomate, Salat, Fleisch, Käse und Soße in einer solchen Weise zu machen, dass nicht die Soße der dominante Teil des Burgers ist (vgl. Schritt zwei) – weil dann kann man nämlich auch gleich Tofu draufmachen. Hier zählt ausschließlich die Qualität der Rohstoffe, der Zutaten und die Zubereitung selbst. Ich habe noch nicht viele Burgerläden gesehen, denen wirklich beeindruckende No-Frills-Burger gelingen, obwohl die ordentliche Zubereitung aus ordentlichen Zutaten doch eigentlich viel weniger Aufwand bedeuten müsste, als sich irgendein Schischi auszudenken, um die Kunden zu verarschen. Naja. Der Schillerburger am Herrfurthplatz (und nur dieser Schiller!) kann das, Burger de Ville (gibt’s die eigentlich noch?) und in Teilen auch The Bird (wobei ich dessen beide Läden wegen des Gesamtkonzepts meide). Den Maßstab hat mir die Fette Kuh in Köln gesetzt. Dort kann man den Burger auch ganz ohne Soße kaufen und hat immer noch einen außergewöhnlich guten Geschmack. Fast Food auf einem solchen Niveau habe ich in Berlin noch nicht gefunden – bisher jedenfalls.

imageVor einigen Monaten hat in der Markthalle neun ein neuer Metzger namens Kumpel & Keule eröffnet, bei dem ich schon häufiger Fleisch gekauft hatte. Neuerdings braten die dort auch Burger. Jedenfalls heute haben sie es getan. Auf den – zugegebenermaßen echt miesen – Bildern ist ein Dry Aged Cheeseburger zu sehen. Das Ding kostet 7,- Euro (ich verstehe nicht, wie die einen dermaßen niedrigen Preis hinbekommen O_o) und ist nicht nur auf auf dem Niveau der Fetten Kuh, die Brötchen finde ich sogar noch einen Tick besser (sorry, Martin 😉 ). Einzig mit der Soße hätten die noch etwas sparsamer sein können. Aber was das angeht, bin ich eh ein eher schlechter Ratgeber, denn häufig verzichte ich ganz auf Soße.

Ich war sehr lange nicht mehr derart zufrieden mit schnellem Essen in Berlin – und das, obwohl ich es im Stehen zu mir genommen habe (ich hasse das!).

Disclaimer. Der Wurstsack ist ein Kumpel von mir und mischt bei Kumpel und Keule mit. Meinen Burger habe ich trotzdem bezahlt. Eine Sendung, in der ich den Wurstsack interviewt habe, gibt es hier.

Update (29.3.2016)
Über Ostern war ich in Köln und habe zweimal bei der Fetten Kuh gegessen. Das sind immer noch hervorragende Burger – aber tatsächlich nur noch die zweitbesten nach Kumpel und Keule. Ich hätte nicht gedacht, dass das überhaupt möglich ist.

Gute Burger leicht gemacht

Pizza im Standard

Einer der neueren heißen Scheiße ist „original neapolitanische Pizza“. Das erste Mal bin ich in Köln im „485 Grad“ darüber gestolpert. Die Pizza dort war zwar ziemlich gut, aber irgendwie erschien mir das Gewese, das darum gemacht wurde, leicht unangemessen. Was mich am meisten gestört hatte, war dass der Fladen in zur Mitte hin immer weicher und der Belag flüssiger wurde. Ich gehöre zu den Leuten, die Pizza in Streifen schneiden und mit den Händen essen. Das war dort nicht möglich. Aber echt gute Pizza, eine schöne Wein- und Bierauswahl, und die Preise sind auch in Ordnung.

In Berlin gibt es auch einen solchen Laden. Das „Standard“ im Prenzlauer Berg. Dort kann man sich seine Pizza zu – ausgerechnet im Vergleich zu Köln – ordentlich erhöhten Preisen in reizarmer Umgebung von Hipstern servieren lassen, die zwar ungeheuer nett, aber dermaßen verpeilt sind, dass sie nichtmal mitbekommen, wenn der Tisch voller leerer Gläser steht. Auch das scheint mir eine neue Gastromode in der Hauptstadt zu sein und langsam die Weigerung abzulösen, Bestellungen auch auf Deutsch entgegenzunehmen (die sich zwischenzeitlich anschickte, die jahrzehntelang gepflegte lokale Pampigkeit vergessen zu machen).

Zugegeben: Die Pizza im Standard war geschmacklich eine der besten, die ich in Berlin gegessen habe. Der Boden war allerdings auch hier zur Mitte hin wieder weich und der Belag entsprechend flüssig – aber das ist ja Geschmackssache und anscheinend ist das in Neapel so. Ich war noch nie in Neapel, muss das aber irgendwann mal überprüfen gehen. Der Rand war für meinen Geschmack viel zu dick, so dass der belegte Teil nur ungefähr die Hälfte des Fladens auszumachen schien. Dazu dann Preise, wie ich sie vielleicht in München oder Frankfurt, aber bestimmt nicht in Berlin – und schon gar nicht bei so schlechtem Service – erwarten würde.

Nee, so insgesamt war das leider nix und ich gehe demnächst lieber wieder zu meinen bekannten Italienern, wo die Pizza vielleicht 20% weniger aufregend schmeckt, das Gesamterlebnis am Ende aber doppelt so angenehm ist. Oder ich probiere halt was Neues. Manchmal findet man ja doch Perlen.

Pizza im Standard

Doldenmädel

doldenmaedelUnten am Berg gibt es ein Restaurant. Seit ich in Berlin lebe, hat der Laden gefühlt schon fünfmal seinen Namen gewechselt. Vermutlich war es nur dreimal, als ich zuletzt dort war, hieß er jedenfalls „Kaiserstein“ und war irgendwie oll. Die Küche war in den späten 80ern mal modern. Eiche Rustikal mit Hähnchenbrustfilet, Bauernfrühstück.

Neuerdings heißt der Laden „Doldenmädel“. Als Dolden bezeichnet man den Blütenstand vom Hopfen und weil es seit ein paar Jahren glücklicherweise diese Craftbeer-Mode gibt, kann man einen Laden, der Craftbeer anbietet, auch mal so nennen.

Ich habe es mindestens ein Jahr lang versäumt, dort mal reinzugehen, weil ich von früher immer noch irgendwie gehemmt war, wurde letzten Samstag aber gleichsam gezwungen, denn jemand anderes hatte die Lokalwahl. Zum Glück.

Im Doldenmädel gab es 18 Biere vom Fass, reichlich Ratsherren, kennt man ja, aber auch ein paar ausgefallenere Sachen, wie Trappisten, Chouffe oder Geuze. Die Speisenkarte ist sehr kurz, drei Stullen, zwei Burger und was Vegetarisches, aber man geht hier ja auch nicht zum Essen hin. Der Pulled Pork Burger war okay, für „okay“ etwas zu teuer, aber eine gute Grundlage. Die Kellner sind schnell, freundlich und kompetent, was in dieser Kombination für Berliner Verhältnisse eher außergewöhnlich ist. Darum, und weil ich möglichst viel durchprobieren wollte, habe ich dann auch etwas zu viel getrunken – und trotzdem recht wenig bezahlt, denn die 0,3er Gläser kosten nur irgendwas zwischen 2,80 und 6,50. Da geh ich jetzt öfter hin. Selbst trunken brauche ich nämlich nur 20 Minuten zu Fuß nachhause.

Doldenmädel