Gute Burger leicht gemacht

Es ist ziemlich simpel, einen Burger zuzubereiten, der von den meisten Menschen für außergewöhnlich gut gehalten wird. Und das liegt nicht nur daran, dass die meisten Menschen nur Mägges oder tiefgekühlte Frittenbudenburger kennen, sondern daran, wie das Gros der Burger, die ich bisher gesehen habe, designed wird.

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Schritt eins: Möglichst viele verschiedene Zutaten aufeinander stapeln und zu viel geschmolzenen Käse über die Boulette schwappen lassen, damit das Ding auf Instagram-Fotos spektakulär aussieht.

Schritt zwei: Möglichst exotische Kombinationen von Zutaten verwenden, oder gleich welche mit exotischen Namen, damit man auch Tage später noch bei Freunden, auf der Party im Koch/Wohnbereich, darüber fachsimpeln kann.

Schritt drei: Intensiv schmeckende Soßen, wahlweise gebratenen Speck, verwenden (gerne auch in Kombination mit Schritt zwei), damit die Kundschaft gar nicht erst merken kann, dass das Fleisch daher kommt, wo auch der Supermarkt an der Ecke einkauft. Wer diese drei Schritte befolgt, braucht sich um die Brötchen schon gar keine Gedanken mehr zu machen. Hauptsache, sie sehen nicht aus, wie Dinger, die im Lidl immer neben dem Toastbrot liegen – und fertig ist der Showburger, über den garantiert alle Welt reden wird.

Viel schwieriger ist es, einen guten Burger mit nur vier bis sechs Standard-Zutaten, Brötchen, Tomate, Salat, Fleisch, Käse und Soße in einer solchen Weise zu machen, dass nicht die Soße der dominante Teil des Burgers ist (vgl. Schritt zwei) – weil dann kann man nämlich auch gleich Tofu draufmachen. Hier zählt ausschließlich die Qualität der Rohstoffe, der Zutaten und die Zubereitung selbst. Ich habe noch nicht viele Burgerläden gesehen, denen wirklich beeindruckende No-Frills-Burger gelingen, obwohl die ordentliche Zubereitung aus ordentlichen Zutaten doch eigentlich viel weniger Aufwand bedeuten müsste, als sich irgendein Schischi auszudenken, um die Kunden zu verarschen. Naja. Der Schillerburger am Herrfurthplatz (und nur dieser Schiller!) kann das, Burger de Ville (gibt’s die eigentlich noch?) und in Teilen auch The Bird (wobei ich dessen beide Läden wegen des Gesamtkonzepts meide). Den Maßstab hat mir die Fette Kuh in Köln gesetzt. Dort kann man den Burger auch ganz ohne Soße kaufen und hat immer noch einen außergewöhnlich guten Geschmack. Fast Food auf einem solchen Niveau habe ich in Berlin noch nicht gefunden – bisher jedenfalls.

imageVor einigen Monaten hat in der Markthalle neun ein neuer Metzger namens Kumpel & Keule eröffnet, bei dem ich schon häufiger Fleisch gekauft hatte. Neuerdings braten die dort auch Burger. Jedenfalls heute haben sie es getan. Auf den – zugegebenermaßen echt miesen – Bildern ist ein Dry Aged Cheeseburger zu sehen. Das Ding kostet 7,- Euro (ich verstehe nicht, wie die einen dermaßen niedrigen Preis hinbekommen O_o) und ist nicht nur auf auf dem Niveau der Fetten Kuh, die Brötchen finde ich sogar noch einen Tick besser (sorry, Martin 😉 ). Einzig mit der Soße hätten die noch etwas sparsamer sein können. Aber was das angeht, bin ich eh ein eher schlechter Ratgeber, denn häufig verzichte ich ganz auf Soße.

Ich war sehr lange nicht mehr derart zufrieden mit schnellem Essen in Berlin – und das, obwohl ich es im Stehen zu mir genommen habe (ich hasse das!).

Disclaimer. Der Wurstsack ist ein Kumpel von mir und mischt bei Kumpel und Keule mit. Meinen Burger habe ich trotzdem bezahlt. Eine Sendung, in der ich den Wurstsack interviewt habe, gibt es hier.

Update (29.3.2016)
Über Ostern war ich in Köln und habe zweimal bei der Fetten Kuh gegessen. Das sind immer noch hervorragende Burger – aber tatsächlich nur noch die zweitbesten nach Kumpel und Keule. Ich hätte nicht gedacht, dass das überhaupt möglich ist.

Gute Burger leicht gemacht

Pizza im Standard

Einer der neueren heißen Scheiße ist „original neapolitanische Pizza“. Das erste Mal bin ich in Köln im „485 Grad“ darüber gestolpert. Die Pizza dort war zwar ziemlich gut, aber irgendwie erschien mir das Gewese, das darum gemacht wurde, leicht unangemessen. Was mich am meisten gestört hatte, war dass der Fladen in zur Mitte hin immer weicher und der Belag flüssiger wurde. Ich gehöre zu den Leuten, die Pizza in Streifen schneiden und mit den Händen essen. Das war dort nicht möglich. Aber echt gute Pizza, eine schöne Wein- und Bierauswahl, und die Preise sind auch in Ordnung.

In Berlin gibt es auch einen solchen Laden. Das „Standard“ im Prenzlauer Berg. Dort kann man sich seine Pizza zu – ausgerechnet im Vergleich zu Köln – ordentlich erhöhten Preisen in reizarmer Umgebung von Hipstern servieren lassen, die zwar ungeheuer nett, aber dermaßen verpeilt sind, dass sie nichtmal mitbekommen, wenn der Tisch voller leerer Gläser steht. Auch das scheint mir eine neue Gastromode in der Hauptstadt zu sein und langsam die Weigerung abzulösen, Bestellungen auch auf Deutsch entgegenzunehmen (die sich zwischenzeitlich anschickte, die jahrzehntelang gepflegte lokale Pampigkeit vergessen zu machen).

Zugegeben: Die Pizza im Standard war geschmacklich eine der besten, die ich in Berlin gegessen habe. Der Boden war allerdings auch hier zur Mitte hin wieder weich und der Belag entsprechend flüssig – aber das ist ja Geschmackssache und anscheinend ist das in Neapel so. Ich war noch nie in Neapel, muss das aber irgendwann mal überprüfen gehen. Der Rand war für meinen Geschmack viel zu dick, so dass der belegte Teil nur ungefähr die Hälfte des Fladens auszumachen schien. Dazu dann Preise, wie ich sie vielleicht in München oder Frankfurt, aber bestimmt nicht in Berlin – und schon gar nicht bei so schlechtem Service – erwarten würde.

Nee, so insgesamt war das leider nix und ich gehe demnächst lieber wieder zu meinen bekannten Italienern, wo die Pizza vielleicht 20% weniger aufregend schmeckt, das Gesamterlebnis am Ende aber doppelt so angenehm ist. Oder ich probiere halt was Neues. Manchmal findet man ja doch Perlen.

Pizza im Standard

Doldenmädel

doldenmaedelUnten am Berg gibt es ein Restaurant. Seit ich in Berlin lebe, hat der Laden gefühlt schon fünfmal seinen Namen gewechselt. Vermutlich war es nur dreimal, als ich zuletzt dort war, hieß er jedenfalls „Kaiserstein“ und war irgendwie oll. Die Küche war in den späten 80ern mal modern. Eiche Rustikal mit Hähnchenbrustfilet, Bauernfrühstück.

Neuerdings heißt der Laden „Doldenmädel“. Als Dolden bezeichnet man den Blütenstand vom Hopfen und weil es seit ein paar Jahren glücklicherweise diese Craftbeer-Mode gibt, kann man einen Laden, der Craftbeer anbietet, auch mal so nennen.

Ich habe es mindestens ein Jahr lang versäumt, dort mal reinzugehen, weil ich von früher immer noch irgendwie gehemmt war, wurde letzten Samstag aber gleichsam gezwungen, denn jemand anderes hatte die Lokalwahl. Zum Glück.

Im Doldenmädel gab es 18 Biere vom Fass, reichlich Ratsherren, kennt man ja, aber auch ein paar ausgefallenere Sachen, wie Trappisten, Chouffe oder Geuze. Die Speisenkarte ist sehr kurz, drei Stullen, zwei Burger und was Vegetarisches, aber man geht hier ja auch nicht zum Essen hin. Der Pulled Pork Burger war okay, für „okay“ etwas zu teuer, aber eine gute Grundlage. Die Kellner sind schnell, freundlich und kompetent, was in dieser Kombination für Berliner Verhältnisse eher außergewöhnlich ist. Darum, und weil ich möglichst viel durchprobieren wollte, habe ich dann auch etwas zu viel getrunken – und trotzdem recht wenig bezahlt, denn die 0,3er Gläser kosten nur irgendwas zwischen 2,80 und 6,50. Da geh ich jetzt öfter hin. Selbst trunken brauche ich nämlich nur 20 Minuten zu Fuß nachhause.

Doldenmädel