Pizza im Standard

Einer der neueren heißen Scheiße ist „original neapolitanische Pizza“. Das erste Mal bin ich in Köln im „485 Grad“ darüber gestolpert. Die Pizza dort war zwar ziemlich gut, aber irgendwie erschien mir das Gewese, das darum gemacht wurde, leicht unangemessen. Was mich am meisten gestört hatte, war dass der Fladen in zur Mitte hin immer weicher und der Belag flüssiger wurde. Ich gehöre zu den Leuten, die Pizza in Streifen schneiden und mit den Händen essen. Das war dort nicht möglich. Aber echt gute Pizza, eine schöne Wein- und Bierauswahl, und die Preise sind auch in Ordnung.

In Berlin gibt es auch einen solchen Laden. Das „Standard“ im Prenzlauer Berg. Dort kann man sich seine Pizza zu – ausgerechnet im Vergleich zu Köln – ordentlich erhöhten Preisen in reizarmer Umgebung von Hipstern servieren lassen, die zwar ungeheuer nett, aber dermaßen verpeilt sind, dass sie nichtmal mitbekommen, wenn der Tisch voller leerer Gläser steht. Auch das scheint mir eine neue Gastromode in der Hauptstadt zu sein und langsam die Weigerung abzulösen, Bestellungen auch auf Deutsch entgegenzunehmen (die sich zwischenzeitlich anschickte, die jahrzehntelang gepflegte lokale Pampigkeit vergessen zu machen).

Zugegeben: Die Pizza im Standard war geschmacklich eine der besten, die ich in Berlin gegessen habe. Der Boden war allerdings auch hier zur Mitte hin wieder weich und der Belag entsprechend flüssig – aber das ist ja Geschmackssache und anscheinend ist das in Neapel so. Ich war noch nie in Neapel, muss das aber irgendwann mal überprüfen gehen. Der Rand war für meinen Geschmack viel zu dick, so dass der belegte Teil nur ungefähr die Hälfte des Fladens auszumachen schien. Dazu dann Preise, wie ich sie vielleicht in München oder Frankfurt, aber bestimmt nicht in Berlin – und schon gar nicht bei so schlechtem Service – erwarten würde.

Nee, so insgesamt war das leider nix und ich gehe demnächst lieber wieder zu meinen bekannten Italienern, wo die Pizza vielleicht 20% weniger aufregend schmeckt, das Gesamterlebnis am Ende aber doppelt so angenehm ist. Oder ich probiere halt was Neues. Manchmal findet man ja doch Perlen.

Pizza im Standard

2 Gedanken zu „Pizza im Standard

  1. beim Lesen ist mir aufgefallen, daß ich bei meinen vielen Neapelbesuchen tatsächlich dort noch nie Pizza gegessen habe. Ich muß das unbedingt das nächste Mal nachholen.
    So ganz einfach ist es auch nicht, eine Pizza ordentlich hinzubekommen.
    Ich probier‘ das manchmal in meinem Forno. https://foroboario.blogger.de/stories/2545232/
    (Hier ist leider kein Pizzabild dabei.)
    Was kostet die oben abgebildete Pizza in Berlin?

    1. holgi schreibt:

      Das eine mit Bresaola, Pecorino und Rucola und sie hat 14,90 oder 15,90 gekostet (ich weiß nicht mehr welche von der Tageskarte wie viel gekostet hat – es gab auch noch eine mit Zwiebelconfit, die geschmeckt hat wie „Pizza Zwiebelsuppe“ 😀 )

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