Here no Pizza

In der Toskana gewesen. Florenz. Am Abend nach der Ankunft im Bahnhofsviertel ein Stück Pizza auf die Hand für 2,-. Sehr fettig, origamiartig auf ein Wachspapier gelegt, gleichzeitig darin eingeschlagen und dennoch sofort verzehrfertig. Grandioses Essen. Bei uns wär’s halt Currywurst.

Vor der Reise die angeblich beste Pizza der Stadt empfohlen bekommen und dafür sogar in Kauf genommen, einen Tisch mit einem fremden Paar zu teilen. Älteren Deutschen fällt das nicht leicht.

Das war eine neapolitanische Pizza. Dicker Rand, dünner Rest, maximal eine Minute im Holzofen (Feuer links für quasi-Umluft), wie es dieser Tage auch in Deutschland modern ist und im „485 Grad“ (in gut mit guter Bedienung, darum werde ich da auch wieder hingehen) und im „Standard“ (in geradesomittel mit schlechter Bedienung, darum werde ich da auch nicht wieder hingehen) gegessen werden kann. Ins Pizzaiuolo werde ich wohl auch nicht nochmal gehen, obwohl ich fest vorhabe, 2017 nochmal nach Florenz zu fahren, weil es da nämlich wirklich hübsch ist. Auch und gerade der Groteskfriedhof oben auf dem Berg.


Die normale Pizza jedenfalls hatte zu wenig Salz im Teig und zu wenig Geschmack im Belag und ich bin froh, dass ich sie nicht gegessen, sondern mich für eine „Pizza Fritta“ entschieden habe, im Grunde eine Calzone aus der Fritteuse, was schonwieder verdächtig nach einer Aktion des Kiffergenesungswerkes aussah, zumal die Füllung recht scharf und darum geschmacksintensiver war, aber lange nicht so, wie die normale Pizza in der Trattoria Toscana, die ich gelegentlich aufsuche, weil sie nämlich nicht hinter einer Flugreise sondern vorne an der Ecke liegt und die Pizza dort sehr gut schmeckt. Besser jedenfalls, als in der angeblich besten Pizzeria Florenzens, aber das habe ich glaub ich schon gesagt.

Mit den Kolumbianern haben wir uns dann die Nacht bei Rotwein um die Ohren geschlagen, uns köstlich amüsiert und die üblichen Einladungen ausgesprochen, die wir diesmal sogar ehrlich gemeint haben. Sie ist Ärztin, er macht in Versicherungen, eine in Kolumbien erst noch aufstrebende Branche, weil die Leute erst dann Versicherungen kaufen würden, wenn sie sonst keine Probleme hätten. Ich fand das einleuchtend.

Am nächsten Tag in einer Seitenstraße einen Feinkostladen mit Kleinküche gefunden, dessen dicker Besitzer bloß Italienisch sprach, so dass wir einfach die Speisen genommen haben, bei deren Nennung er am zufriedensten aussah, was bei mir zu einer knusprigen Stulle mit selbstgemachter Leberpastete geführt hat.


Außerdem, auf der Karte ins Englische übersetzt, Nudeln mit Wildschweinsößken, Gulasch mit dunkler Pfeffertunke und Tomatenbrot, das der Italiener „Bruschetta“ ruft, um mich zu demütigen, weil ich immer erstmal überlegen muss, wie man es ausspricht. Der offene Wein kam aus zweifelhafter Quelle, aber das war egal, denn der Laden war einer von denen, in und mit denen man alt werden möchte, wofür Florenz ja sowieso nicht der schlechteste Ort wäre. Außer im Hochsommer vielleicht.

Here no Pizza