Erklär mir konservativ

Ich verstehe nicht, was „konservativ“ bedeutet. Immer, wenn ich versuche, die Gedanken und Haltungen zuende zu denken, die mir bei mir und anderen konservativ erscheinen, lande ich in einer nationalistischen, reaktionären, unsolidarischen, autoritären Welt voller Verbote, in der das Neue und die Anderen abzulehnen, auszugrenzen und zu bekämpfen sind, in der nicht alle Menschen dieselben Rechte haben und nicht jeder nach seinem Gusto zufrieden leben soll, sondern stets so, wie es dem Konservativen gerade passt. Gleichzeitig sagen mir die Konservativen, dass Konservatismus ja gar nicht so sei, er genau nicht zu dieser Art rechtsreaktionärem Spießertum führt.

Aber wohin denn dann? Wie sieht die Welt aus, in der Konservative gerne leben würden? Ich würde das wirklich gerne verstehen.

Erklär mir konservativ

62 Gedanken zu „Erklär mir konservativ

  1. Robert schreibt:

    Konservative wollen vor allem in einer Welt leben in denen es ihnen selbst gut geht, sie sich selbst nicht einschränken müssen und vor allem auf keinen Fall irgendwie über andere Menschen nachdenken wollen müssen. Zusammengefasst: Eine Welt in denen ihnen alles außer sie selbst egal sein kan.

    1. wenn man bei deiner Metapher bleiben … würde es auch bedeuten das Erfindungen wie Streichhölzer oder Feuerzeuge unnötig sind da die Weitergabe des Feuers sich bewährt hat

      1. Tom schreibt:

        Wenn wir keine Streichhölzer und Feuerzeuge haben müssen wir natürlich alles dafür tun, damit niemand das Feuer löscht.

          1. na wenn das allein durch Fakten beschrieben werden könnte also ganz einfach, hättest du nicht gefragt. Konservativ ist für mich „festhalten am bewährten „

          2. konnte dir unten nicht antworten. hat bestimmt seinen Grund. das bewährte muss nicht mit Erfahrung einzelner zu tun haben. oft ist die Erfahrung anderer maßgebend.

      2. Rico schreibt:

        Ich meine der Spruch zielt eher auf eine Eingebundenheit in eine Tradition ab. Und hier ist ja nach einem „Konservativ“ gefragt das nicht auf Chauvinismus hinausläuft.
        Eine Tradition muss zunächst ja mal nicht schlecht sein, und es sind viele gute Traditionen denkbar. Sich den Gründern einer Tradition emotional Verbunden fühlen (Feuer) ist per se auch nicht verwerflich.

  2. Oliver schreibt:

    Ich definiere »konservativ« als Gedankenkonstrukt, in dem Neuerungen, Zukunft und Änderungen als grundsätzlich schädlich angesehen werden. Zukunft wird stets als notwendinge Vergangenheitskonservierung angesehen, in der sich Dinge und Gegebenheiten nicht ändern dürfen und nicht ändern sollen.

    Wie Du es schon geschrieben hast, sind Verbote das Mittel der Wahl, um den aktuellen oder früheren Status quo weiter zu zementieren. Gerne werden diese Verbote dann noch als Schutz »für das Volk« verstanden und gerechtfertigt. Ich bin mir nicht sicher, ob Konservatismus aus Ängsten entsteht, anerzogen bzw. konditioniert wird oder wirklich das Resultat aus eigenen Denkprozessen darstellt. Auf jeden Fall halte ich durchschnittliche konservative Personen für talentierte Opportunisten, die grundsätzlich dem aktuellen obersten Rudelführer Beifall klatschen.

    Berührungspunkte zum Rechtsradikalismus und Nationalismus halte ich für gegeben, wenngleich sie gerne kaschiert werden. Die Übergänge sind fließend, man arbeitet aber dieselbe Agenda ab, gibt sich aber (noch) demokratisch gefestigt. Schaut man sich einige Äußerungen aus Reihen der CSU an, so könnte man dort aber schon von »NPD light« sprechen, nur ohne den ganz braunen Anstrich.

    Wirklich greifbar ist der Begriff »konservativ« aber tatsächlich nicht, man passt sich halt gerne an und arbeitet stets gegen jene, die gerade versuchen, das eigene heile Weltbild zu zerstören.

  3. HerrTaschenbier schreibt:

    In meinen Kopf sind Konservative Menschen im Grunde genommen einfach gegen neuerungen. Natürlich im speziellen wenn es das eigene Leben tangieren könnte.
    Das ist bei Kindern gut zu beobachten. Es gibt Kinder die ungern neue Dinge probieren und lieber Ihre bekannten Lieblingsspeichen essen. Wenn Kinder von Ihren Eltern dann gezwungen werden Ihren eigenen Hoizont zu erweitern und neue Lebensmittel zu probieren, setzt eine Trotz Reaktion ein. Wenn das Kind sich allerdings dann an das neue Lebensmittel gewöhnt hat, wird es zu der Liste der akzeptablen Lebensmittel hinzugefügt. Bei dingen die selber entdeckt werden, geht das schneller. (Ich glaube das lässt keinerlei rückschluss auf die spätere Entwicklung von Kindern zu, sollte nur verdeutlichen wie ich auf meine Definition von Konservativ gekommen bin)

    Konservative wollen also immer genau den Status Quo der akzeptierten Umgebung beibehalten. Neuerungen die durch porgressive Kräfte etabliert werden, werden erst abgelehnt bis sie nach einer Gewöhnungsphase in die akzeptierte Umgebung übergehen. Das gilt in meiner Beobachtung sowohl für positive als auch für negative Dinge. Die ideale Welt für Konservative ist also eine ohne Veränderungen. In einer globalisierten Welt verursacht allerdings allein die Globalisierung so viele Veränderungen, das es ohne Protektionismus schwer wird, dieses Ziel zu erreichen.

    1. Tom schreibt:

      Seltsamerweise sind Konservative durchaus Fortschrittsfreundlich, wenn es darum geht, die eigene Vorstellung von Gesellschaft zu unterstützen. Ich denke an Waffentechnologie oder die gute alte Automobilindustrie, die durch kontinuierlichen Fortschritt Arbeitsplätze in der eignen Nation schafft. Auch der Glaube an das Wirtschaftswachstum ist ja eine Haltung, die man gerne bei Konservativen hierzulande beobachtet (CDU/CSU).

      Ich bin mir deshalb nicht sicher, ob die Feindlichkeit gegenüber Neuerungen das Wesen des Konservativen ausmacht. Eher ist es ein anderes Ziel, auf das sie zusteuern, für das Fortschritt und Entwicklung nur Mittel zum Zweck oder nicht unbedingt nötig sind. Der Vergleich mit dem Weitergeben des Feuers weiter oben trifft hier sehr gut, denke ich.

  4. Tom schreibt:

    Hier einige Gedanken, die ich mir in der letzten Zeit zu dem Thema gemacht habe:

    Zunächst: Es fällt mir ebenso schwer wie dir, mich in die Gedankengänge Konservativer hineinzuversetzen. Der Umkehrschluss ist, und ich glaube das ist entscheidend, dass es Konservativen ebenso schwer fällt, sich in die Gedanken progressiv (vielleicht auch links) denkender Menschen hineinzuversetzen. Wir reden also anscheinend von zwei Polen der gleichen Skala.

    Dem Gedanken folgend fiel es mir dann leichter, Konservative zu verstehen, nämlich durch das spiegeln meiner eigenen Vorstellungen. Ich tendiere beispielsweise dazu, grundsätzlich Fortschrittsoptimistisch zu denken: Als Gesellschaft entwickeln wir uns immer weiter, feilen an unseren Umgangsformen, knüpfen engere Banden und verstehen uns irgendwann als einzige, globale Gesellschaft. Ereignisse, die dieser Vorstellung wiedersprechen (immer wieder ausbrechende Kriege, Leid und Unterdrückung) nehme ich natürlich wahr, glaube aber dass diese Ereignisse keine Argumente gegen dieses Ziel sind, sondern Hindernisse auf dem Weg dorthin.

    Nun die Konservative Sichtweise: Auch hier ist die Vorstellung eine Gesellschaft, in der Menschen gerecht und in Frieden zusammenleben können – ich glaube nicht, dass es viele Menschen gibt, die davon träumen, in einem repressiven Staat zu leben. Der unterschied ist nun die Art, wie Ereignisse beurteilt werden, die dieser Vorstellung entsprechen (Kriege, Leid und Unterdrückung). Der KonservativeTM geht, jedenfalls kommt mir das so vor, garnicht erst davon aus, dass wir diese Makel als Gesellschaft überwinden können. Seiner Zukunftsvision ist die Bedrohung „von außen“ inhärent, wärend ich die Gesellschaft sehe, die Kriege und Leid überwunden hat.

    Wer also die Bedrohung permanent vor Augen hat, hat auch die Angst ständig im Blick und sehnt sich nach einer Gesellschaft der Sicherheit, die verspricht, dass er in Frieden leben kann, ohne Angst vor äußeren Einflüssen haben zu müssen. Die Folgerung hieraus sind natürlich konservative Best Practices wie „geschlossene Grenzen“, „starkes Militär“. Dass aus diesen Forderungen eine ungerechte Welt und unter Umständen weiteres Leid hervorgeht, ist in der konservativen Betrachtungsweise nicht negativ, da sie von vornherein nicht davon ausgeht, Leid für alle vermeiden zu können.

    Wo ich an eine gerechte, offene Welt für alle Denke, denkt der Konservative an eine gerechte, offene Welt für einen geschlossenen Kreis an Menschen. Das ist im einfachsten Fall die eigene Nation, im extremsten Fall die eigene Rasse.

    Zu naiv/einfach?

  5. Wie ich mir persönlich konservatives Denken erkläre:

    An irgendeinen Punkt im Leben wird die Lage als gut bewertet, man hat Arbeit, genug Geld und alles läuft geregelt ab. Diesen Zustand möchte man, natürlich, beibehalten. Änderungen bergen die Gefahr die gewünschte Ordnung im persönlichen Leben zu stören (z.B. Arbeitsplatz gefährdet). Dabei werden die Gefahren als größer/wahrscheinlicher angesehen als sie es sind, da einem das eigene Wohl derart wichtig ist. Gleichzeitig wird ausgeblendet, dass eine Veränderung der Gesellschaft helfen könnte, weil man befürchtet den eigenen Komfort zu verlieren. Aus diesem großen Verlangen nach einem geordneten Leben entsteht eine Angst vor Veränderungen.

    Als Konsequenz ist für mich konservative Politik:

    Lieber kein Risiko eingehen. Wir können doch gut leben so wie es ist. Wenn wir was verändern könnte es MIR schlechter gehen.

      1. Egoismus klingt zu hart. Vermutlich geht es auch weiter als Egoismus, da auch das direkte Umfeld mit „verteidigt“ wird und in der eigenen Sicht das Allgemeinwohl beschützt wird.

        Kann nicht den Finger drauf legen, aber gleichsetzen mit Egoismus klingt falsch.

  6. "leisure" schreibt:

    „[…] lande ich in einer nationalistischen, reaktionären, unsolidarischen, autoritären Welt voller Verbote, in der das Neue und die Anderen abzulehnen, auszugrenzen und zu bekämpfen sind, in der nicht alle Menschen dieselben Rechte haben und nicht jeder nach seinem Gusto zufrieden leben soll, sondern stets so, wie es dem Konservativen gerade passt.“

    Ich glaube, das ist gar nicht so falsch. Was sagen denn die Konservativen so? „Natürlich sollen Schwule schwul sein können, aber die sollen MICH doch bitte aus ihrem Schlafzimmer raushalten.“ – Heißt konkret: Du sollst nicht sagen oder zeigen, das du schwul bist. Wenn du das „privat“ machst, also heimlich, versteckt, hinter den verschlossenen Türen deiner Wohnung (falls Wohnung, dann bitte ggf. auch leise!), dann ist das okay. Ach ja, und die eingetragene Lebenspartnerschaft reicht ja wohl auch vollkommen!

    Vergleich mit deinen Punkten: Das ist unsolidarisch, gewissermaßen autoritär, ein Art gesellschaftliches Verbot, ein Ablehnen des Anderen, eine Ausgrenzung, man gesteht ihnen nicht dieselben Rechte zu und sie sollen nicht nach ihrem Gusto zufrieden sein, sondern nur so, wie es mir passt – was in diesem Fall wäre, dass es mich nicht stört.

    „Gleichzeitig sagen mir die Konservativen, dass Konservatismus ja gar nicht so sei, er genau nicht zu dieser Art rechtsreaktionärem Spießertum führt.“

    Natürlich nicht. Wer will schon so autoritär, ausgrenzend und unsolidarisch sein? Nein, nein, man ist sogar außerordentlich solidarisch! Man will die Schwulen schließlich nicht verfolgen oder ächten! Hast du mal gelesen, was dieser Putin macht? Oder der Erdogan? In manchen Ländern werden „die“ sogar gesteinigt! Nein, man ist natürlich total solidarisch mit ihnen. Sie können das doch alles in ihren eigenen vier Wänden machen und sich die Lebenspartnerschaft sogar eintragen lassen! Man hat ja auch gar nichts gegen die (solange sie sich halt anpassen)! Wo ist denn da die Ausgrenzung? 🙂

    Ich meine, der Herbert, der sieht das doch genauso! Und die Elfriede. Man muss ja nicht immer gleich mit der großen Genderwahnsinnskeule kommen!

    **

    Und dann haben Menschen auch schlicht Schwierigkeiten damit, sich in andere Lebenswirklichkeiten hineinzudenken, mit denen sie keine Anknüpfungspunkte haben. Als diese Racial-Profiling-Sache nach Silvester aufkam, gab es ja auch noch einen Artikel von Correctiv, in dem eine Schwarze erzählte, wie sie dutzendfach in Berlin kontrolliert wurde. Einfach so, auf der Straße, von Polizisten. Bis ich das gelesen hatte, konnte ich mir auch nicht vorstellen, dass es sowas gibt. In meinem Leben bin ich zweimal von der Polizei kontrolliert worden und das auch nur im Straßenverkehr. Und selbst, als wir als Jugendliche mal bekifft vor einen Streifenwagen gelaufen sind, haben die quasi nur gesagt, wir sollen jetzt mal nach Hause gehen und ruhiger sein. Ich sehe hier ja auch täglich Menschen, die phenotypisch anders sind. Auch da habe ich nie eine Kontrolle erlebt. Dass dann in derselben Stadt(!) eine schwarze Frau(!) zichfach einfach ohne Anlass ihre Personalien angeben muss, war schlicht außerhalb meiner Vorstellung (die ich – natürlich – eigentlich für ziemlich umfangreich halte).

    Um den Bogen zurückzuschlagen: In manchen Lebenswirklichkeiten ist schwul oder obdachlos sein eben eine Entscheidung. In manchen Artikeln zu Köln, die ich „konservativ“ nennen würde, standen so treffende Vergleiche wie „bei besonderen Fußballspielen werden auch alle Fans kontrolliert und überwacht, also kann man das am Kölner Hbf ja wohl auch so machen.“ So als wäre „Als Fan von Borussia Dortmund nach Gelsenkirchen reisen“ eine gleichwertige Entscheidung wie „türkisch/nordafrisch aussehen“. Das findet in vielen Lebenswirklichkeiten eben schlicht nicht statt, da man ja selbst weiß ist.

    ***

    Ganz zum Schluss vielleicht noch ein Gedanke, der mir gerade beim Schreiben gekommen ist: Vielleicht liegt dem Konservatismus auch zugrunde, dass man sich und seine eigene Lebenswirklichkeit als prototypisch für alle Lebenswirklichkeiten denkt und von dort alle Annahmen denkt. Das machen wir zu einem gewissen Teil natürlich alle, aber ich würde den „Progressiven“ unterstellen, dass sie versuchen, einen Teil der anderen oder sogar alle anderen möglichen Individuen mitzudenken („Aber was machen denn jetzt vegane, unoperierte Transsternchengenderfrauen mit Glutenallergie? Die haben doch dann voll das Problem!“), während der Konservative einfach davon ausgeht, dass halt alle ihre Miete auch zahlen können und wer das nicht kann, der hat sich halt so entschieden. Man selbst hat’s ja auch nicht immer leicht gehabt und das Geld war ja auch mal knapp, aber die Miete konnte man selbst aufbringen, wenn’s mal wirklich hart war! Ja, und überhaupt, mehr Solidarität geht ja wohl kaum, wenn man den Leuten auch noch die Möglichkeit schafft, aufs Amt zu gehen!

  7. Kommentator schreibt:

    Konservativismus bedeutet das Bewahren des Status Quo bzw. ein weiteres Verfolgen des Weges, der dorthin geführt hat, in der Hoffnung darauf, dass er auch weiterhin funktioniert. Daraus ergibt sich auch der verstärkte Anteil von konservativen in der Generation 50+: Vielen von denen geht es einfach verdammt gut und ich unterstelle ihnen da durchaus eine positive Vision für die Zukunft bzw. weigere mich, ihnen irgendeine Form von Bösartigkeit zu unterstellen.

    Für sie hat ihr Welt- und Menschenbild 30, 40 oder 50 Jahre funktioniert, sie sind glücklich im Wirtschaftswunder aufgewachsen, haben eine gute Ausbildung genossen, eine Familie großgezogen und später ordentlich Geld verdient. Der normale Gang der Dinge war das Wachstum, auch wenn das nicht unbedingt ihr Verdienst war. Es war halt einfach so. Warum sollte man daran etwas ändern? Wann immer Neuerungen aufkamen, dann waren sie mit der Bedrohung ihrer persönlichen Lebenssituation verbunden, die aber jeder einzelne der erfolgreichen Konservativen überwinden konnte: Automatisierung (der Roboter schweißt schneller als ich), Globalisierung (der Inder schweißt billiger als ich), Umweltschutz (dürfen wir überhaupt noch schweißen?). Viele Konservative wünschen uns Jüngeren (ich selbst bin Jahrgang 82) einfach ein ähnlich glückliches Leben, wie sie es geführt haben und wollen uns daher vor neuen Bedrohungen durch Veränderungen beschützen. Das viele Veränderungen keine Bedrohungen sind bzw. dass Veränderungen das sind, was Leben ausmacht, ist ihnen nicht bewusst. Ich selbst sehe mich zwar auch eher als progressiv an und denke, dass Veränderungen zu einer moderneren und offeneren Gesellschaft führen können, kann diese Haltung der Konservativen aber zumindest nachvollziehen. Schwierig wird es nur dann, wenn Menschen konservativ mit menschenverachtend verwechseln. Insbesondere diejenigen, denen es trotz Generation 50+ nicht so gut geht wie ihren Altersgenossen und die sich erhoffen, durch „mehr vom selben“ noch kurzfristig aufholen zu können und dabei jegliche Grenzen überschreiten.

    1. holgi schreibt:

      Bösartigkeit will ich auch nicht unterstellen. Dazu kenne ich alleine schon zu viele gutartige Konservative und bösartige Progressive.

      Ich habe halt immer das Gefühl, dass Konservatismus allenfalls etwas ist, mit dem man eine Familie, aber ganz bestimmt keine Gesellschaft organisieren kann.

      1. Kommentator schreibt:

        Bitte entschuldige die missverständliche Formulierung, das hatte ich auch nicht so verstanden.

        Eine konservative Politik muss nicht zu rechtsreaktionärem Spießertum führen, sondern führt bestenfalls (aus konservativer Sicht) zu einem Leben, wie es die Eltern der Konservativen bereits geführt haben. Nur besser. Und dieses „besser“ bedingt auch immer Modernisierungen, die selbst Konservative ganz freiwillig in ihr Leben aufnehmen, aber eben langsam. Konservativismus mag der Zeit hinterherhinken, aber auch er entwickelt sich weiter, was mich positiv in die Zukunft schauen lässt. Die Konservativen des Jahres 2030 werden sich vermutlich vehement und mit polternder Rhetorik gegen den neuesten 3D-Virtual-Reality-Holodeck-Pr0n aussprechen, weil er die sittsame Zweisamkeit in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft gefährdet. Nur Geduld…!

        Daher mein Fazit: Konservatives Denken führt nicht zwangsläufig zu rechtsreaktionärem Spießertum, es dauert alles nur ein bisschen länger. Wichtig ist nur: Wenn man sich mit dem Konservativismus identifiziert, dann sollte man sich bewusst sein, dass man potentiell näher an gefährlichem rechtsreaktionären Gedankengut steht, als andere politische Kräfte und sich gerade deswegen entschieden davon abgrenzen. Das ist es, was mir heutzutage fehlt…

        1. holgi schreibt:

          Guter Punkt. Vielleicht ist mein Problem tatsächlich eher, dass Konservative sich zu oft der Abgrenzung verweigern, oft auch willentlich mit dem rechtsreaktionären Feuer zu spielen scheinen. Muss ich mal beobachten und begrübeln.

          1. Kommentator schreibt:

            Ich habe das gerade selbst ein wenig begrübelt (danke für dieses Wort!), auch mit deiner Aussage im Hinterkopf, dass Konservative keine Ideologie verträten.

            Möglicherweise stimmt das tatsächlich, ich würde sogar sagen, dass Konservativen eine gewisse Dämpfungsfunktion gegen Ideologien zukommt (oder zukommen sollte). So frustrierend „sowas haben wir ja noch nie gemacht“ auch sein kann, so wirkungsvoll sollte es nicht nur progressive Strömungen behindern sondern auch extreme Ideologien einbremsen. Eine konservative Politik, so wie ich sie begreife, mag sich heute zwar gegen „Homo-Ehe“ und angebliche „Frühsexualisierung“ aka wertfreier Sexualkundeunterricht stellen, was insbesondere in unseren Filterblasen wahnsinnig rückständig wirkt, sie sollte aber die Moral- und Wertvorstellungen unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung im Ganzen konservieren wollen.

            Ich glaube, ein großes Image-Problem resultiert daraus, dass viele Forderungen aus dem konservativen Lager negativ formuliert sind. Aber auch negativ formuliert können gute Dinge dabei sein:

            Homo-Ehe? Nein, sowas haben wir ja noch nie gemacht.

            Kohlekraftwerke abschalten, auch wenn es den Großkonzernen schadet? Nein, sowas haben wir ja noch nie gemacht.

            Cannabis-Legalisierung? Nein, sowas haben wir ja noch nie gemacht.

            Aber eben auch:

            Auf Flüchtlinge an unseren Grenzen schießen? Nein, sowas haben wir ja noch nie gemacht.

            Holocaust-Relativierung à la Höcke? Nein, sowas haben wir ja noch nie gemacht.

            Einwanderer aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit unter Generalverdacht stellen? Nein, sowas haben wir ja noch nie gemacht.

          2. holgi schreibt:

            Das kann aber doch keine Begründung sein! Wenn ich ein bestimmtes, gesellschaftliches Verhalten erwarte, muss ich doch ordentlich dafür oder dagegen argumentieren.

            Beispiel: Das dreigliedrige Schulsystem. Es ist erwiesenermaßen schlechter, als Kinder durchgehend geneinsam lernen zu lassen – aber dieser Umstand wird mit „noch nie so gewesen, hat mir nicht geschadet“ einfach weggewischt. So ist doch kein Staat zu machen *haarerauf*

          3. holgi schreibt:

            Die Dämpfungsfunktion finde ich einen sehr interessanten Gedanken. Wird bloß dann problematisch, wenn die Dämpfung gestalten will, oder?

          4. Kommentator schreibt:

            Hallo nochmal,

            ja, wenn die Dämpfung gestalten will, dann fehlen die Visionen. Da stimme ich dir absolut zu und ich möchte daher nicht durchgängig von konservativen Koalitionen regiert werden.

            Die Frage ist nur, ob es nicht sogar sinnvoll sein kann (ich selbst habe dazu noch keine abschließende Meinung), wenn quasi als Konsolidierungsphase ab und zu mal Regierungen ohne Visionen die vorher entstanden Veränderungen „organisieren“. Ich gehe dabei immer von meinem Idealbild konservativer Politik aus und nicht unbedingt von dem, was CDU/CSU in der Praxis leisten, aber du hattest ja auch genau nach diesem Idealbild gefragt. Da könnte eine konservative Episode durchaus helfen, erstmal das zum funktionieren zu bringen, was progressive Regierungen vorher Hals über Kopf eingeführt haben. Bevor du nach Beispielen fragst: Mir fällt da auch gerade nichts ein, was aber eher daran liegt, dass ich bis zu meinem 16. Lebensjahr nur Kohl kannte (ich dachte schon, „Bundeskanzler Kohl (CDU)“ steht so im Duden) und Schröder/Fischer waren mit ihrer Agenda 2010 auch nicht wirklich progressiv…

            Wo ich dir aber vehement widersprechen muss, ist die Annahme, das man eine Familie konservativ „regieren“ kann, einen Staat jedoch nicht. Sicher, Kinder brauchen eine gewisse Verlässlichkeit, Halt und Ordnung, aber: In meiner bescheidenen Wahrnehmung ist eine Familie wesentlich stärkeren, schnelleren und einschneidenderen Veränderungen unterworfen, als es ein Staat ist. Sie vergrößert sich wesentlich schneller als die Bevölkerung (in „Normalfall“ um 50% in 9 Monaten), sie entwickelt wesentlich schneller neue Bedürfnisse und Fähigkeiten, neue Ansichten und Meinungen. Dazu kommt, dass das Spitzenpersonal einer Familie oftmals nicht ausgetauscht wird, während auch in der konservativen Politik immer mal wieder Anzugträger aus der jungen Union älteres Personal ersetzen. Also in meinen Augen kann der relativ stabile und sich langsam entwickelnde Staat weniger progressiv regiert werden, als ein so dynamischen Gebilde wie eine Familie verträgt.

      2. Schwarzmaler20 schreibt:

        Ich sehe das gelassener. Oder die anderen Strömungen skeptischer. Ich möchte nicht in einer rein konservativen Welt leben. Aber eben auch nicht in einer sozialistischen oder in einer wirtschaftsliberalen Welt. Konservatismus ist auf politischer Ebene vielleicht am ehesten das, was auf der Persönlichkeitsebene Angst und Vorsicht sind. Angst schützt uns vor Fehlern, aber ein zu ängstlicher Mensch verschenkt Chancen im Leben und vergißt leicht die Freude. So sehe ich auch den Konservatismus. Es braucht ihn für eine Familie, für eine Gesellschaft, aber es kommt auf die Dosis an.

        1. Ich höre diese Aussage „Ich möchte weder in einer X noch in einer Y Welt leben“ zur Zeit sehr oft, aber stets fehlt eine Ansage in was für einer Welt man leben will. Meist von Personen die ich dem Spektrum der CDU/CSU zuordnen würde.

          Ist das vielleicht die Essenz des konservativen Weltbildes, dass es kein politisches Ziel/Vision gibt wie alles besser wird, sondern dass das hier und jetzt als „perfekter“ Zustand angesehen wird?

          1. Schwarzmaler20 schreibt:

            Dem würde ich zustimmen. Deutschland schafft immer noch die Balance aus Konservatismus, Sozialismus und Freiheit in erstaunlich gutem Maße. Sicher gibt es Länder, die für mich persönlich besser zugeschnitten wären. Weniger Steuern, weniger Sozialstaat, weniger Technikfeindlichkeit. Aber das hat einen Preis. Ich würde am Wochenende nicht nach Downtown fahren, keine Metros benutzen und im Kofferraum meines Wagens läge eine Waffe. Vielleicht sind wir so konservativ, weil wir vergleichsweise viel zu verlieren und wenig zu gewinnen haben?

    1. holgi schreibt:

      Naja, gerade Fleischhauer ist der Prototyp desjenigen, der sich „konservativ“ nennt, während er sich der Denkfaulheit hingibt 😉

    1. Schwarzmaler20 schreibt:

      Ich denke ja, es ist eine selektive Wahrnehmung. Im Sich-als-Opfer-Darstellen schenken sich Linke, Rechte und Konservative wenig. Nur Liberale sind glaube ich weniger empfänglich, weil es nicht in ihr Weltbild des für sein Schicksal selbstverantwortlichen Individuums passt?

      1. holgi schreibt:

        Bei Linken habe ich eher den Eindruck, dass sie nicht sich selbst, sondern andere als Opfer sehen. Was das psychologisch bedeutet, müsste man sich auch nochmal gesondert überlegen, aber nicht in diesem Thread. Der geht über Konservative 🙂

  8. Schwarzmaler20 schreibt:

    …und der Versuch einer ernsthafte Antwort: Konservative halten den Menschen im Grunde für schlecht. Nimm den Menschen die Gesellschaft, die Kultur, das offizielle und das inoffizielle Regelwerk der Zivilisation, und sie neigen dazu, sich die Köpfe einzuschlagen, für Nahrung, für einen Gott, für eine Ideologie. Konservative trauen dem Menschen nicht. Sie sehen den dünnen Firnis der Zivilisation, und sie sind sich bewußt, wieviele Zufälle und wieviele Kämpfe, wieviele Kriege es gekostet hat um den halbwegs stabilen Zustand der modernen Welt des Wohlstands herzustellen. Revolutionen, unbedachte Gesetzesänderungen, voreiliger Fortschritt haben oft mehr Schaden als Nutzen angerichtet. Die erste konservative Bewegung war eine Reaktion auf den Terror der Französischen Revolution, die doch eigentlich den Menschen befreien sollte. Statt Freiheit, Brüderlichkeit, Solidarität haben Kinder ihre Eltern verraten für die Guillotine. Die Söhne der Revolution sind elendig verreckt auf den Schlachtfeldern der Grande Armée in Russland. Die Lehre konnte nur heißen, dem Fortschritt etwas skeptischer gegenüber zu stehen. Das Gute zu bewahren und das Neue auf Tauglichkeit zu testen.

  9. ich versuch’s mal mit „Leute die die ‚gute alte Zeit‘ zurück haben wollen“ – also das was sie denken dass es die gute alte Zeit gewesen wäre. Natürlich schön verklärt, wie das bei Erinnerungen und so halt so läuft. Damals als Männer noch Männer waren, alle den gleichen Glauben hatten, sich nicht alles so schnell Veränderte und Politik unkompliziert war.

    Natürlich gab es nichts davon so wie es die Leute sich vorstellen, aber das hält die nicht davon ab für nicht-konservative widersinnige Maßnahmen zu treffen um diese Situation endlich „wieder“herzustellen.

    Das funktioniert nicht nur bei dem Thema so. Leute stehen auch total auf alles was man sich so unter „Natur“ vorstellt. Egal dass es in einer naturbelassenen Umgebung verdammt wenig essbares gibt, dafür viel was dich essen will. Sümpfe (z.B. Oderbruch), Urwälder (z.B. der beinahe undurchdringliche Miriquidi) und ähnliches sind Natur. Parks und Nutzwälder hingegen nicht – trotzdem geht das Bild das man bei erwähnung des Wortes Natur im Kopf hat oft eher in letztere Richtung und Leuten die „Erhaltung der Natur“ zu verkaufen funktioniert prima.

  10. Dave Dunkan schreibt:

    Ich denke im Grunde sind wir alle konservative Menschen die allem Neuen gegenüber aufgeschlossen sind; vorausgesetzt es hat sich bewehrt.

    Je nachdem wie aufgeschlossen der Mensch nun wirklich ist und auf welchem ethischen und moralischen Grundsätzen diese Aufgeschlossenheit und seine Neugier basiert, ergeben sich daraus die unterschiedlichsten Sichtweisen, die eine Bewertung darüber beeinflussen was sich bewehrt hat.

    Nach dieser (zugegeben steilen) These hängen Aufgeschlossenheit und die Bewertung einer Veränderung unmittelbar zusammen und werden von Ethik und Moral verstärkt oder abgeschwächt. Wie in einem System mit zwei Pendeln lässt sich aber nicht vorhersagen was passiert, da die Ethik und Moral von Meschen nicht immer einer rationalen Logik folgt.

    Zesammenfassend:
    Jeder Jeck ist anders…

    YMMV

  11. Greg schreibt:

    Ich denke Konservartismus ist nur eine Facette und benötigt auch ein Gegenpol, oder eine Gegenkraft. Das Konservative hat seine Berechtigung, wenn es darum geht, das Bewährte zu erkennen und zu erhalten. Das Progressive ist für das Neue zuständig.
    Ich denke, es ist nicht der Konservatismus das Problem, sondern der Mensch, der sich auf eine Richtung beschränkt.
    Verharrt man in der Alten und Bewährten, wird es schwierig, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, die eine Anpassung erfordern.
    Schmeißt man sofort alles um, um etwas neues auf die Beine zu stellen, verschwendet man unnötig Energie, da man sich ständig mit dem Erlernen der neuen Gegebenheiten auseinandersetzen muss, ohne die Vorteile des Bekannten auszunutzen.
    Toleranz ist wichtig und die Erkenntnis, was erhaltenswert ist, und was reformbedürftig.
    Dieser Kampf wird nie zu Ende sein. Dafür sind die Menschen zu unterschiedlich. Ich denke, die Konflikte sind reduzierbar, wenn es einen breit gestreuten Konsens gibt, was im Moment notwendig ist.
    Laufen die Gruppen stark asynchron, gibt es Streit uns Auseinandersetzungen, bis hin zum Krieg.

    Ying und Yang
    Engelchen und Teufelchen
    linke Gehirnhälfte und rechte Gehirnhälfte
    usw., usf.

  12. LimaNovember schreibt:

    Ich hab mal auf Youtube einen Vortrag über Innovation gehört (finde genau den nicht so schnell wieder), in dem ein Modell zitiert wurde, das Menschen in grobe Charakter-Kategorien einteilt. Ist ein paar Tage her, daher versuche ich das aus dem Gedächtnis zu rekonstruieren. Diese Kategorien entsprachen so etwas wie präferierten Werten wie Ordnung, Freiheit, Gerechtigkeit – also Werten, denen die Leute in der Kategorie eine hohe Bedeutung beimessen, ihre Präferenz.

    Ca. 40% der Menschen fallen in die Kategorie „legen einen besonderen Wert auf Ordnung“ (passte damals grob mit dem Wahlergebnis der CDU/CSU). Das sind aus meiner Sicht die Konservativen. Dabei ist „Ordnung“ halt ein verlässlicher Rahmen, eine Struktur für Leben und Gesellschaft, die man kennt, gewohnt ist und versteht. Man kennt seine Nachbarn, hat einen geregelte Arbeit, mäht brav den Rasen und wäscht samstags sein Auto.

    Störungen dieser Ordnung mögen dann Konservative nicht (wie auch z.B. die Leute mit Freiheitspräferenz keine Einschränkung derselben, oder Leute mit Gerechtigkeitspräferenz keine Ungerechtigkeit).
    Beispielsweise Kriminalität stört die gewohnte Ordnung, steht Ihr entgegen. Vor allem die Art von Kriminalität, die einen selbst direkt betreffen kann (Einbrüche, Überfälle, etc.). Dagegen braucht es einen starken Staat in Form von Polizei.
    Zu große Veränderung birgt Risiken. Ist das Ergebnis nicht absehbar, dann wissen wir nicht, ob unsere schöne Ordnung erhalten bleibt, dann lassen wir das lieber oder machen mal eher langsam.
    Sind derart Konservative z.B. ausländerfeindlich? Nur, wenn diese Ausländer die gewohnte Ordnung stören bzw. eine grobe Störung zu befürchten ist. Wenn man sich „nachts nicht mehr auf die Straße trauen kann“.
    Schwierig wird es, wenn dann Feindbilder oder Sündenböcke aufgebaut werden, denen man die Verantwortung für eine (vermeintliche) Störung der Ordnung zuschieben kann.

    Andererseits ist die Ordnung in der Welt natürlich subjektiv, wahrscheinlich am ehesten der Ordnungsrahmen, in dem jemand aufgewachsen ist. So können Konservative nach dieser Definition sicherlich auch komplett unterschiedliche Wertvorstellungen haben, die sie als bewahrenswerte Ordnung ansehen.
    So viel Küchenpsychologie für heute, vielleicht finde ich den Vortrag ja nochmal wieder …

  13. Heinz Inge schreibt:

    Ich finde das immer putzig wenn sich ein Haufen Leute aus der „Gegenrichtung“ sich alles zurecht fabulieren. Hauptsache man kann es als böse deklarieren und muss sich nicht weiter damit beschäftigen.

    Dabei sehen Linke Weltsichtlicher alles Konservative als das ultimativ Böse konnten es aber bisher anscheinend nicht definieren. Das man aber nicht bereit ist sein Weltbild zu justieren obwohl es auch andere Konzepte gibt ist ironischerweise auch sehr konservativ.

    Ich persönlich würde Konservativ eher mit Wertstabil definieren. Verbesserungen gerne, aber nicht alles ändern nur weil es eben neu ist. Neu ist für mich keine ausreichende Eigenschaft die irgendwas wertvoll oder besser macht.

    Beispiel: Ich komme aus der Software Softwareentwicklung und in der Ecke gibt es alle halbe Jahre ein neues Framework und 5 neue Datenbanken die alle Supertoll erscheinen und sicher auch ihre Daseinsberechtigung haben.
    Fakt ist aber das ich mit dem Konservativen Stack die Arbeit in 10% der Zeit erledige (weil ich die Macken und Probleme kenne) und genügend Leute existieren die sich damit auskennen. Was bei neuen Entwicklungen eben nicht so ist.

    Fazit: Nichts wird besser wenn man stur alles „Konservative“ ablehnt. Im Gegenteil, zahllose Experimente würden zwar möglicherweise zu einem besseren Ergebnis führen aber bis dahin hat man zahllose Resourcen und Menschen verbraucht.

    Weiterentwicklung mit Augenmaß sollte die Devise sein.

    Und mal ehrlich, hat die „Linke“ nicht schon genug Feindbilder? Sollte man die nicht erstmal abarbeiten bevor man schon wieder ein neuen Krieg aufmacht?
    Ihr seid nicht mehr nützlich wenn es darum geht irgendwelche drängenden Probleme der Gesellschaft anzugehen.
    Wenn ich meine Timeline bei Twitter sehe (über die ich hergefunden habe) sehe ich nur noch Hass. Gegen die AFD, Gegen Trump, gegen die böse Welt. Das mag zwar im einzelnen verständlich sein aber die Probleme werden dadurch nicht kleiner.

    Das löst zumindest bei mir keine Solidarität aus sondern ich wende mich angewidert ab und genieße auf ganz konservative Art und Weise mein Leben in meinem „Stamm“. Hilfe und Engagement hat die Welt nur noch von mir zu erwarten wenn sich abzeichnet das es zu irgendwas gutem führen könnte.

    1. holgi schreibt:

      Es geht mir nicht darum, ein Feindbild zu definieren. Ich möchte ernsthaft verstehen, wie die Welt aussieht, in der Konservative leben wollen – allerdings lasse ich niemandem durchgehen, zu leugnen, dass die Welt sich ständig verändert und schon gar nicht, faktenfrei nach dem Motto „das war schon immer so“ zu argumentieren, denn das ist synonym zu „passt mir nicht in den Kram“.

      1. Heinz Inge schreibt:

        Nein, du baust dir ein Feindbild auf alles andere schließt du doch komplett aus.

        Du willst wissen wie „DER“ Konservative denkt. Sicherlich gibt es auch welche die jede Änderung aus Prinzip ablehnen aber wie viele sind das schon?
        Die meisten werden einzelne Positionen ablehnen von denen sie denken das sie bisher gut laufen und Neuerungen das ganze nicht immer besser machen.

        Das ist das Grundsätzliche Problem der Linken heutzutage, dieses Schwarz/Weiss denken. Entweder man teilt alle Positionen oder man ist der Feind den es zu bekämpfen gilt. Genau aus diesem Grund werde ich an eurer Seite niemals wieder Position beziehen. Diese immanente Angst von hinten erdolcht zu werden weil man es wagt irgendwas anders zu sehen oder gar zu widersprechen macht es unmöglich.

        Ich wage mal die These das jeder der etwas zu verlieren hat zumindest teilweise Konservativ denkt und sofern er seinen Mitmenschen einen sicheres Umfeld bieten will denken muss. Ich kann nicht jeden Tag die Spielregeln ändern und denken das führt zu irgendetwas Gutem.

        Ja die Welt ändert sich ständig und nein ich finde nicht das das in allen Bereichen gut ist. Wenn ich den Fernseher anmache finde ich aber nicht viel positives dabei oder bist du ernsthaft der Meinung politisch ist irgendwas besser geworden?
        Die Konzerne werden immer Mächtiger(aber hey sie schmeissen ständig neues Spielzeug auf den Markt), die Politik immer Sprunghafter und die Kriege auf der Welt lassen auch nicht nach.

        Auch wenn ich die CDU/CSU und Co hasse, wer hat denn langsam aber sicher die EU aufgebaut? Linke Steineschmeisser? Grüne Verbotsjunkies? Die Leute die ihr als Konservativ und ewig gestrig deklariert wollen wie andere schon treffend erkannt haben eine sichere Welt für sich und ihr Umfeld. Das sind keine fiesen Menschen die anderen was schlechtes wollen.
        Das sie Ansicht haben die fehlgeleitet sind(Bürgerrechte, Schwulenrechte usw) ist klar, aber dafür waren wir ja da. Stetiges lenken in die richtige Richtung, der Stachel im Fleisch sein.

        Für was seid „ihr“ jetzt noch da? Hass, Hass, Hass. Den ganzen Tag kreisen eure Gedanken um den brauen Scheißhaufen (der mitnichten große Zuwächse hat) oder Trump. Sicherlich ärgerliche Sachen die mit vernünftiger Politischer Arbeit aber kein Problem wären. Stattdessen scheinen mindestens 3 Anti Trump && hundert Anti AFD Beiträge am Tag Pflicht zu sein, nur ändern tut das nichts. Eure Filterbubble ist eh eurer Meinung und der Rest hat sich schon angewidert abgewendet. Die eigentlichen Adressaten erreicht ihr nicht.

        TL;DR: Kommt endlich klar mit der Welt!

          1. Heinz Inge schreibt:

            Hachja und schon wird wieder Rumgehatet.

            Die „Linken“ ist keine böses Feindbild von mir, ich zähle mich durchaus dazu. Nur wird man ja praktisch ausgestoßen und geächtet wenn man nicht Hundertprozentig der Leitlinie folgt.

            Aber ja, ich habe ein Feindbild und das heißt „Ignoranz“, mit dem Kopf durch die Wand ist (in meinen Augen) keine Strategie die Erfolg verspricht.

    2. Schwarzmaler20 schreibt:

      Erstaunlich, wie Softwareentwicklung konservativ macht. Danisch gehört ja auch dazu. Wieviel „Müll“ an nicht wartbaren Bibliotheken, Tools, Sprachen wir im nichthinterfragten Fortschrittsglauben angesammelt haben, statt die vorhandenen Tools zu verbessern. Ein Kollege hat Informatiker mal mit Heuschrecken verglichen, die sich auf jedes neue Thema stürzen, dieses bis auf den letzten Krümel abnagen, so schnell wie sie kommen auch wieder gehen, und danach Verwüstung hinterlassen. Sobald ein Tool endlich funktioniert wird es in schöner Regelmäßigkeit durch etwas Komplexeres ersetzt, das fehlerhafter und schlechter dokumentiert ist. Hauptsache neu. Wenn du das zehnte Mal dir die Nacht mit der Dumpanalyse um die Ohren schlägst, weil ein Programmierer der Meinung war, es würde besser, wenn er alles neu schreibt, das ist der Moment, in dem du anfängst zu verstehen, warum Menschen konservativ sind?
      Sorry für das Abschweifen…

  14. Autopilotuser schreibt:

    Hallo Holger,

    wie vorhin auf Twitter versprochen, werde ich nun ebenfalls versuchen zu erklären, was ich, als jemand der sich mit beidem identifizieren kann, unter „Konservativ“ und unter „Patriotismus“ versteht.

    Zur Einleitung und um das ganze konstruktiv zu halten, möchte ich darauf hinweisen, dass wir uns hier vor allem um Interpretationen streiten werden. Beide Begriffe bedeuten für unterschiedliche Menschen offenbar ganz unterschiedliche Dinge. Vor allem weiss man immer ganz genau, was man nicht mag. So ist es meiner Erfahrung nach nicht untypisch, dass auf Deine Frage in der Mehrheit Antworten kommen, die erklären warum konservativ etwas negatives ist. Da unterscheiden sich „links“ und „rechts“ nicht wirklich.

    KONSERVATIV:

    Konservativ wird von mir, im Gegensatz zu Links und Rechts, nicht als Ideologie verstanden, sondern als pragmatischer Methode wie man zu einer funktionierenden Lösung kommt, ohne dabei zu grosse Risiken einzugehen. Ich denke für das Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft sind Regeln notwendig. Ich denke des weiteren, dass absolut niemand eine perfekte Antwort zur Hand hat. Dies ist der Komplexität der Welt geschuldet. Wer einfache Antworten anbietet, macht sich beliebt, ist aber vermutlich entweder dumm oder ein Lügner. Oder Beides. Ich möchte das Dinge funktionieren.

    Dazu ist es wichtig den Prozess, wie wir uns als Gesellschaft Regeln geben unideologisch und pragmatisch zu führen. Ich habe kein Problem damit einem Politiker der Linken oder der Grünen zuzustimmen, wenn er mit den Besseren Argumenten kommt. Ich mag viele Teile der Gesellschaft nicht. Aber es muss auch – vorausgesetzt man hat einen minimal Konsens wie das Grundgesetz – für sie funktionieren oder es funktioniert gar nicht. Ideologisch motivierte Mitmenschen sind dagegen meist so sehr davon überzeugt auf der richtigen Seite zu stehen, dass sie sich auf einen offene Lösungsfindung nicht einlassen können. Das von vielen angeführte Ausbremsen von Veränderungen, empfinde ich als nötige Vorsicht. Veränderungen brauchen Zeit. Auch wenn es vom eigenen Standpunkt aus als Zumutung empfunden wird. Veränderungen müssen klar eine Verbesserung und von allen tragbar sein. Ansonsten sind die bestehenden, bewährte Regeln einzuhalten. Dazu möchte ich das bestehende Regeln durchgesetzt werden. Von den Rechten unterscheidet mich dabei, die unterschiedliche Wertung der Menschen bei der Durchsetzung. Ich möchte eine individuelle Beurteilung von Schuld nach Taten. Nicht nach Nationalität, Hautfarbe, Sexueller Orientierung, Religion und vor allem nicht nach Sympathie. Von den Linken unterscheidet mich die Ansicht, dass Regeln auch mal gebrochen werden können, da man selber zu den Guten gehört, schon weiss was richtig ist und der Staat an sich eher der Böse ist. Natürlich ist das sehr pauschal. Es gibt wenn man so will verrückterweise auch rechte Linke und linke Rechte. Aber es gibt ja zum Glück auch überall Konservative.

    PATRIOTISMUS:

    Dieses Thema ist noch ein wenig schwerer zu erklären, weil es im Gegensatz zum ersten eher mit Gefühlen als mit Ratio zu tun hat. Wie Du weisst, komme ich ein wenig rum in der Welt und auch wenn alle Menschen gleiche Rechte verdienen und der Anteil an Idioten überall ungefähr gleich gross zu sein scheint, unterscheiden sich Gesellschaften doch gewaltig voneinander. Ich bin in Deutschland sozialisiert und fühle mich hier zuhause. Ich bin nicht(!) stolz darauf hier geboren zu sein. Das wäre Unfug. Aber ich finde gut wie es hier läuft. Und ich kann ganz klar so empfinden, ohne dass ich andere Länder und deren Bewohner abwerten muss. Anders ist nicht gleichbedeutend mit schlecht. Als Beispiel wie sich dies im Alltag manifestiert: Ich zahle zB in Deutschland Sozialabgaben, obwohl ich aufgrund meiner Arbeit auch ganz legal und mit teilweise Höheren Leistungen nur die Hälfte im Ausland zahlen könnte. Vermutlich fühle ich mich dem Land auch verbunden, weil es mir vieles ermöglicht hat, was in anderen Ländern nicht so leicht möglich gewesen wäre. Der nächste Vergleich hingt sicher ein wenig aber ich empfinde für meine Frau und Kinder ja auch anders, als für die Nachbarn, ohne diese als unterlegen anzusehen. Auch würde ich Nachbarn natürlich helfen aber Ihnen deswegen nicht für unbestimmte Zeit einen Wohnungsschlüssel geben. Analog dazu finde ich es sehr richtig Flüchtlinge aufzunehmen und gleichzeitig ist man kein Nazi wenn man Grenzen nicht für etwas überholtes erachtet. Ich kann sogar gleichzeitig aus vollem Herzen für Europa sein. Ich möchte hierbei ganz dringend um eine Differenzierung bitten. Ich beurteile was AfD und grosse Teile der CSU zum Thema sagen als nicht akzeptabel. Hier möchte ich wieder auf konservativ vs populistisch verweisen. Ich möchte sogar noch weiter gehen: Als Patriot ist mein Hauptgegner zur Zeit die AfD. Sie gefährdet den Gesellschaftlich Zusammenhalt und ist nicht im Einklang mit den Werten, die für mich das Fundament von Deutschland ausmachen. Nicht umsonst verbringe ich viel zu viel Zeit in Diskussionen mit diesen einfachen Gemütern.

    Es wäre übrigens Hilfreich, wenn man gemeinsam gegen solche Bedrohungen vorgehen würde und nicht sofort bei der Erwähnung der Begriffe konservativ und Patriotismus als Feind behandelt werden würde.

    So. ich hoffe der Einfluss meines Schlafmangels hat den Text nicht völlig seiner Struktur beraubt. Würde mich über Feedback freuen. Vielleicht kann mir ja jemand erklären, warum ich völlig falsch liege und mich vom Gegenteil überzeugen. Mit Argumenten. Und ohne herablassend zu werden. (Ja, ja. Ich weiss schon. Die Opferpose.;)

    1. Eule schreibt:

      Ich glaube, Pragmatismus ist ein wichtiger Schlüsselbegriff. Der Konservatismus hat gewissermaßen einen kleinen Werkzeugkoffer voller Dinge (Wertvorstellungen, Strukturen, Handlungsweisen), die sich bewährt haben und zum Teil langwierig gesellschaftlich entwickelt wurden. Diese Werkzeuge werden nun benutzt, um hauptsächlich Probleme der Gegenwart zu lösen; hierbei sind große Umwälzungen jedoch auch nicht ausgeschlossen, wie etwa die europäische Einigung zum Zweck der Friedenssicherung. Wenn sich dabei herausstellt, dass die Werkzeuge nichts mehr taugen, werden sie auch bereitwillig durch bessere ersetzt. Im Unterschied zum Progressivismus ist der Konservatismus a) eher pessimistisch was den Menschen und die Welt angeht (Hobbes vs. Rousseau) und hat b) nur bedingt eine Vision für die ideale Welt der Zukunft, auf die es die Gesellschaft auszurichten gilt. Das alles macht den Konservatismus ziemlich langsam, worauf der Progressivismus dann ungeduldig reagiert. Der Grund dafür ist, Fehler vermeiden zu wollen und nicht hinter Erreichtes zurückzufallen.

      Zum Thema Patriotismus hat Johannes Rau, ich glaube in seiner Antrittsrede als Bundespräsident, die Definition „Ein Patriot ist jemand, der sein Vaterland liebt; ein Nationalist ist jemand, der die Vaterländer der anderen verachtet“ angeboten. Etwas kürzer und weniger pathetisch könnte man auch formulieren „ein Patriot findet sein Land gut, ein Nationalist findet sein Land besser“. Der Unterschied ist also, ob es ein Konkurrenzdenken gibt oder nicht. In diesem Sinne ist „Hurra, Schland!“ zu rufen und in Schwarzrotgold rumzulaufen alles andere als patriotisch, und Patriotismus ist auf diesen Unterschied bedacht. Ein Beispiel dafür ist meines Erachtens das im Internet vielfach herumgereichte Video von Angela Merkel, die Herrmann Gröhe bei der Feier des Wahlsieges 2013 kopfschüttelnd das Deutschlandfähnchen weggenommen hat. Warum? Weil „nie wieder Nationalismus“ ein konservativ-patriotischer Wert ist, da sich dieser eben als fataler Fehler für die Gesellschaft und das Land herausgestellt hat.

  15. mithrandir schreibt:

    Lieber Holgi,
    Gibt es „ein konservativ“?
    Nichts ist Schwarz oder Weiß.
    Das ist glaube ich aktuell eines der großen Probleme, dass fast jeder vom anderen denkt er wäre Links oder Rechts oder Konservativ oder ..(was ist deiner Meinung nach das Gegenteil von Konservativ)?
    Ich sehe mich schon als Konservativ. Stimme aber dir in deiner Meinung, deiner Einstellung in vielen Dingen überein.
    Ich höre dir und deinen Gesprächspartnern sehr gerne zu, auch wenn ich manche der Aussagen was die Politik und die Wünsche für die Gesellschaft nicht zustimme. Ich schaue gerne über den Tellerrand und manchmal ändere ich meine Einstellung, weil ich die andere Meinung besser verstehe und erklärt bekomme.
    Manchmal tut es mir aber auch fast weh, was ich so höre. Besonders bei der Wochendämmerung frage ich mich hauptsächlich bei Kattas Beiträgen „in welcher Welt leben die eigentlich?“.
    Aber wir leben sicher in unterschiedlichen Welten. Ihr in der Metropole Berlin. Ich im beschaulichen Baden Württemberg. Hier sind sogar die Grünen konservativ. Deswegen habe ich kein Problem mit einem Ministerpräsidenten Kretschmann. Ich bin ja fast froh um ihn, weil die CDU Oberen hier kein gutes Bild abgeben. Trotzdem will ich die Grünen nicht wählen, weil sie in vielen Punkten nicht meinen Einstellungen entsprechen.
    Nun ja, ich kenne viele, die weit links von mir sind, andere ziemlich rechts von mir (trotzdem keine Nazis. In eurer Sicht wären sie das vielleicht). Manche sind teilweise links, teilweise rechts von mir.
    Ich kenne tatsächlich Leute, die den Kapitalismus abschaffen, aber trotzdem die AFD wählen würden.
    Deine Frage ist für mich ein Zeichen, dass einfach das Mittelmaß fehlt. Aktuell werden Schablonen gesucht und da wird man reingesteckt. Aber so einfach ist es nicht.
    Alle sehr komplex und in einem Kommentar nicht zu fassen. Zumindest nicht für mich, der ich nicht in der Lage bin, das eloquent in schriftliche Worte zu fassen.
    Ich würde mich dazu gerne mal mit dir unterhalten. Das wäre vielleicht mal ein anderer Realitätsabgleich.
    Meine Mailadresse hast du. Melde dich, wenn Interesse besteht.

    1. "leisure" schreibt:

      Hallo Gandalf,

      dein Kommentar scheint mir wenig hilfreich. Erstens: Natürlich gibt es nie „ein irgendwas“. Wenn man genügend ausdifferenziert, bin ich vor einer Woche und ich heute auch nicht „eine Person“. Das hilft in diesem Detailgrad aber nicht weiter. Gerade in einer parteibasierten, parlamentarischne Demokratie ist der Zusammenschluss von Personen mit ähnlichen Überzeugungen (und ggf. deren Verallgemeinerung zu „einem“ Gebilde mit ähnlichem Wertekanon) nicht nur zweckmäßig, sondern auch notwendig. Natürlich gibt es innerhalb jeder Partei, jeder Gruppierung und jeder Zusammenfassung auch immer Abweichungen. Der aktuelle Papst repräsentiert in vielerlei Hinsicht andere Prinzipien als sein Vorgänger. Dennoch lassen sie sich beide zur katholischen Kirche subsummieren. Gibt es „eine“ katholische Kirche? Nach deiner Definition sicherlich nicht, aber … nun ja, eben doch. 🙂 Und auch du schreibst ja, du würdest dich selbst(!) „schon als konservativ“ sehen. In dem Sinne erwartet niemand, dass du 100% mit jedem übereinstimmst, der sich auch als konservativ bezeichnet. Aber man erwartet doch eine genügend große Schnittmenge, die hinreichend genau gewisse Gemeinsamkeiten zusammenfasst.

      Der Rest deines Kommentars ist leider unfassbar unkonkret. „Ich stimme in vielem mit dir überein“, „Ich stimme manchen eurer Aussagen zu Politik und Gesellschaft nicht zu“, „Manchmal tut es fast weh, was ich so höre“, „Bei manchen Beiträgen frag ich mich, wo ihr eigentlich lebt“, „Die CDU gibt (in BaWü) kein gutes Bild ab“ und so weiter.

      Da ist nicht eine konkrete Aussage drin. Worin stimmst du überein? Bei welchen Aussagen stimmst du nicht zu? Bei welchen Beiträgen tut es fast weh? Wo empfindest du Realitätsferne? Aus welchem Grund gibt die CDU kein gutes Bild ab?

      Es würde im Sinne der Frage und auch allen anderen Interessierten ja viel mehr weiterhelfen, wenn du zu jedem dieser Allgemeinplätze ein Beispiel liefern würdest. Damit man zumindest ein Gespür dafür bekommt, welche Punkte es denn sind, die jemanden, der sich selbst schon konservativ sieht, besonders bewegen und unbewegt lassen. 🙂

      1. Mithrandir schreibt:

        Das Thema ist meiner Meinung nach nicht in einem Kommentar abzuhandeln.
        Deswegen mein Angebot an Holgi für ein Gespräch.
        Dabei würde es ja auch nicht darum gehen, meine politische Meinung zu beurteilen, sondern einfach zu klären, warum ich das eine bevorzuge und Holgi vielleicht das andere.
        dabei ginge es mir nicht einmal darum Holgi zu überzeugen oder von ihm überzeugt zu werden.

        Genau die Frage nach der konkretene Aussage ist aktuell ein Problem in der Politik (meine Meinung). In den Medien woird immer „die eine Wahrheit“ gefordert. Die gibt es aber eben nicht. Es geht darum den besten Weg zu finden.
        Der kann mal rechstrum, mal linksrum führen. Mitten durch geht eben nicht immer bzw. in den seltensten Fällen.
        Und oft weiß man erst hinterher, ob der Weg wirklich gut war.
        Möglicherweise führ der Weg rechtsrum zu einem genau so guten Ergebnis wie der linksrum, aber man ist eben einen gegangen und kann es hinterher nicht sagen.
        Wenn dann mal was schief gelaufen ist, wird gleich drauf gedroschen, anstatt zu versuchen die Stellen zu finden, die wahrscheinlich zum Fehler geführt haben um diese in Zukunft zu vermeiden.

  16. blub schreibt:

    Jonathan Haidt meint ja konservative haben im Stammhirn andere Werte angelegt als linke. Da hab ich dich aber im Zuge der Wochendämmerung schonmal hingelingt. Mach doch einfach mal nen Podcast mit jemandem der „the righteous mind“ gelesen und verstanden hat 😉

    Mein Erklärungsansatz:
    Im Wort Konservativ ist das bewahren schon angelegt. Jede Veränderung wird erstmal als Problem betrachtet, daher sehen sich konservative fortwährend unter beschuss, weil die Welt sich dauernd verändert. Als politischer Handlungsbedarf wird eine gute Vergangenheit projeziert die je nach bedarf 5 , 15 oder 50 Jahre in der Vergangenhet liegt.
    Konservative überzeugungen gewinnen immer dann an stärke wenn irgendwas neues passiert das scheiße ist. z.b. war in der Flüchtlings kriese tatsächlich etwas kacke. Nähmlich das Management der Situation. (Das die das vorher auch granatenmäßig verkackt haben spielt keine Rolle, das zu checken sind die meisten Leute zu blöd und uninformiert.)
    Dagegen sind konservative immer leicht im Rückzugsgefecht wenn es neuerungen gibt die Gut sind. Weil dann ergibt deren Weltbild keinen Sinn mehr.
    Das positive an konservativen: Liegt eine neuerung nur weit genug in der Vergangenheit sind sie jederzeit bereit diese zu verteidigen. Die waren früher mal Kaiser und Kirchentreu und sorgen sich aber heute um die Erkenntnisse der Aufklärung, die unter Angriff von Leuten sehen die ihre Religion auch heute noch ernst nehmen.
    (man sieht hier übrigens schön die inhärent konservativen Stränge der Grünen Ideologie. z.B. Umwelt verändert sich –> muss scheiße sein)
    Das sowas wie Menschenrechte hier nicht auftaucht ist kein Fehler. Man bemerkt Menschenrechte nicht, allenfalls deren Fehlen.

    Ich hab auch noch ne andere, simplere Erklärung dabei: Es gibt keine konservativen. Allenfalls Faschisten ohne Eier. Auf die derzeit zirkulieren „konservativen“ Blogger trifft das sicherlich zu. Kein Namedropping an dieser Stelle.

    1. holgi schreibt:

      Ich sehe das Interview gerade, während ich die letzten Kommentare lese und freischalte und hatte, kurz bevor Precht dahin kam, ungefähr den Gedanken: „Es gibt keinen Konservatismus als durchgehende Haltung, sondern allenfalls situationsbezogen (und selbst dort habe ich meine Zweifel)“, der hier in einigen Kommentaren auch schon irgendwie formuliert wurde. Dasselbe gilt vermutlich für die Progressiven, denn niemand, den ich so bezeichnen würde, ist nicht auch irgendwie konservativ – spätestens, wenn es darum geht, sich ändern zu müssen, damit sich etwas ändert.

      Vielleicht ist es an der Zeit, diese Begriffe einfach nicht mehr zu verwenden (und die „Faschisten ohne Eier“ einfach als das zu bezeichnen, was sie sind).

      1. Mithrandir schreibt:

        Danke Holgi, das kann ich genau so unterschreiben. Und das ist auch das was ich oben gemint habe. Ich hätte diese Aussage nicht in der Kürze und Einfachhiet so zu „Papier“ bringen können.
        Deswegen bin ich auch froh, dass Menschen wie du Podcasts machen und als Meinungsbildner fungieren.
        Ich wünsche mir, dass viel mehr Menschen sich die Zeit nähmen diene Podcasts zu hören.
        Du brauchst mehr Reichweite.
        Das scheitert aber oft daran, dass viele weder wissen, dass es Podcasts gibt, was Podcasts sind und schon gar nicht, wie man sie konsumieren kann.
        ABends die Kiste anschalten und sich von Maischberger und Konsorten zublubbern zu lassen ist halt einfach und bequem.
        Da wären wir vielleicht auch bei einem Ansatz zur Erklärung von Konservatismus:
        „Der (innere) Widerstand eine Komfortzone aufgeben zu müssen“
        Ich sehe es so, dass es auch eine Art von Konservatismus war, als sich einen Teiil der Grünen dagegen gewehrt hat einem Kriegseinsatz 8ich glaube es war im ehemaligen Jugoslawien) zuzustimmen.
        Die wollten an ihren Werten festhalten.

  17. Tarifkenner schreibt:

    Etwas spät, aber vielleicht liest ja noch jemand mit. Ich glaube die Beschreibung, in welcher Welt man leben möchte, ist bei einem Konservativen (der definitionsgemäß kein Reaktionär ist) gar nicht so anders als bei einem Progressiven (der kein Revolutionär ist).

    Wenn man ihn fragt, wie ein ideales Schulsystem aussehen soll, wird er fordern, dass dieses jedes Kind nach seinen Begabungen und Bedürfnissen fördern soll, nützliche Kenntnisse und Fähigkeiten aber auch Bildungsinhalte ohne unmittelbare Nutzanwendung vermitteln, sowie den Charakter (z.B. Hilfsbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein) schulen soll. Das würde in etwas anderen Worten der Progressive auch unterschreiben.

    Die Unterschiede liegen dann eher in der praktischen Herangehensweise. Der Konservative sieht in dem bestehenden („seit Jahrhunderten bewährten“) System erst einmal das, was dem Idealbild entspricht: Die Dreigliedrigkeit mit weiterer fachlicher Differenzierung bei Gymnasien und Realschulen dient genau dazu, jedes Kind nach seinen Neigungen und Begabungen bestmöglich zu fördern. Wenn es Mängel im derzeit existierenden System gibt, möchte er zunächst versuchen, diese im bestehenden System zu beheben. Wenn also die Hauptschule als „Restschule“ gilt, die den Schülern keine Chancen vermittelt, sollte man die Hauptschule verbessern. Wenn die Verteilung auf die Schularten faktisch nicht nach Befähigung der Schüler, sondern nach sozialem Status der Eltern erfolgt, muss das Verteilungsverfahren besser gestaltet werden.

    Der Konservative hegt Skepsis gegenüber Aussagen wie „Das dreigliedrige Schulsystem ist erwiesenermaßen schlechter als Kinder durchgehend gemeinsam lernen zu lassen“. Er würde etwa entgegnen: „Methodisch unangreifbar wären solche Beweise nur, wenn man 50 möglichst identische Gesellschaften hätte, randomisiert die Hälfte davon mit dreigliedrigem Schulsystem und die andere Hälfte mit eingliedrigem Schulsystem ausstattete, Migration zwischen den Gesellschaften verböte und nach 20 Jahren die Ergebnisse evaluierte. Solche Untersuchungen gibt es aber aus gutem Grund nicht. Andererseits gibt viele Anzeichen dafür, dass das dreigliedrige System seine Vorteile hat.“

    Der progressiven Forderung, das Schulsystem grundlegend umzugestalten, hält er entgegen, dass das bewährte System ja aus guten Gründen dreigliedrig angelegt gewesen sei. Und die Vorstellung , dass man allen Schülern eines Jahrgangs auf den Bildungsstand der jetzigen Abiturienten bringen könnte (die manche progressive Bildungspolitiker hegen) hält er für utopisch.

    1. holgi schreibt:

      Hm. Das wäre dann ja genau die Realitätsverweigerung, beziehungsweise die Weigerung, Dinge zuende zu denken, die mir immer wieder auffällt. Denn die Prämissen aus dem zweiten Absatz erfüllt das dreigliedrige Schulsystem ja nachweislich eben nicht – oer zumindest nicht so gut, wie es im 21. Jahrhundert angebracht wäre. Das Problem bei diesem Thema ist, dass es reichlich Forschung gibt, die von konservativen Politikern aber aktiv ignoriert wird. Vielleicht ist das Beispiel darum eher schlecht 🙂

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