Fastfood für zuhause

In Berlin hat vor ein paar Monaten ein neues Restaurant eröffnet: Die SardinenBar. Neuartig daran, außer für Portugal-Reisende: Es gibt kaum etwas anderes als hochwertigen Dosenfisch, von dessen Existenz ich bisher praktisch nicht wusste. Die Bar ist assoziiert mit dem Feinkostladen Maitre Philippe, von dessen Existenz ich zwar wusste, dessen Sortiment mir aber unbekannt war, obwohl eine des Maitres Töchter zum Freundeskreis gehört (ja, es ist mir peinlich).


Die Dosen, die in der Bar serviert werden, werden im Laden verkauft und ich habe mir einen Stapel davon ins Regal gelegt, so dass ich immer was gutes zu essen im Haus habe. Eine Dose kostet zwischen vier und neun Euro, kauft man bei Philippe gleich ein ganzes Sortiment, kostet die Dose im Schnitt fünf. Bestellen geht auch.

Die besten, trockenen Nudeln, die ich kenne, kosten 4,50 das Pfund. Eine Dose Sardinen (es gibt auch Tunfisch und Bacalhau) reicht für ein Pfund Nudeln. Nudeln kochen, abgießen, zurück in den Topf, Sardinenbüchse auf, kompletten Inhalt in den Top kippen, umrühren, fertig. Eventuell noch etwas Zitrone dazu, um das Ganze etwas aufzufrischen. Ein außergewöhnliches und trotzdem schnelles, einfaches Essen in bester Qualität für zwei Personen (inklusive Nachschlag) kostet also einen knappen Zehner.

Und jetzt kommst Du, Mägges!

Fastfood für zuhause

BBB (Burger)

Ostkreuz, Sonntag- Ecke Neue Bahnhofstraße war immer einer von diesen Läden, in denen Umlandhosenträger schlechte Cocktails in dicken Gläsern zu sich nehmen und dazu einen griechischen Bauernsalat (= Würfelweichkäse „griechischer Art“ aus der Packung) speisen konnten. Glaub ich. Drin war ich nie. War mir immer zu prollig von außen. Aber egal.

Seit zwei Monaten ist ein neuer Laden drin. Da gibt’s Burger. Das ist jetzt nicht unbedingt ein neues Konzept, eher kurz vor inflationär, aber mir gefiel die Einrichtung und ich mag Burger, also mal rein und ausprobiert.

Das Konzept liegt bewusst zwischen Burgerbar und Restaurant, die Preise sind etwas erhöht (Burger ohne Extras 8,- bis 10,-), im Hintergrund laufen leise Johnny Cash, Pulp Fiction OST und sowas und als ich meinen Burger ohne Ketchup bestellt habe, sagte der Kellner: „We wouldn’t ruin our Burgers like that“ und brachte einen gut essbaren Burger anstelle eines gut fotografierbaren.

Gestern war ich zum dritten Mal dort, Qualität und Geschmack waren jedesmal außergewöhnlich und das Fleisch frisch genug für „rare“. Das ist momentan der zweitbeste Burger, den ich in Berlin kenne und das vegetarische Angebot soll auch sehr gut sein (hab’s nicht selbst probiert). Ich hoffe, die halten die Qualität langfristig.

BBB Berlin, Sonntagstraße 1, Friedrichshain.

BBB (Burger)

Erklär mir konservativ

Ich verstehe nicht, was „konservativ“ bedeutet. Immer, wenn ich versuche, die Gedanken und Haltungen zuende zu denken, die mir bei mir und anderen konservativ erscheinen, lande ich in einer nationalistischen, reaktionären, unsolidarischen, autoritären Welt voller Verbote, in der das Neue und die Anderen abzulehnen, auszugrenzen und zu bekämpfen sind, in der nicht alle Menschen dieselben Rechte haben und nicht jeder nach seinem Gusto zufrieden leben soll, sondern stets so, wie es dem Konservativen gerade passt. Gleichzeitig sagen mir die Konservativen, dass Konservatismus ja gar nicht so sei, er genau nicht zu dieser Art rechtsreaktionärem Spießertum führt.

Aber wohin denn dann? Wie sieht die Welt aus, in der Konservative gerne leben würden? Ich würde das wirklich gerne verstehen.

Erklär mir konservativ

The Footbolt Shiraz

Eine der ältesten Flaschen in meinem Alltagsbestand. Schon mehrfach mit umgezogen und nie wirklich gut behandelt worden.


„Mach halt mal auf, ist eh bestimmt längst kaputt“, hab ich gedacht. Aber nixda! Ich sabbere (wo hat der so viel Säure her?) von einem Kompott aus drei schwarzen Kirschen, einer Pflaume, einem Stück sehr dunkler Schokolade und einem Pfefferkorn, serviert in einem alten Tabaksbeutel. Dabei noch sehr frisch auf seine alten Tage und, trotz der eher nicht vorhandenen Eleganz, gar nicht so schwer.

Der hätte noch ein paar Jahre durchgehalten, wäre aber vermutlich nicht mehr besser geworden. Schöner Wein – wenn man es etwas üppiger mag. Würde ich heute nicht mehr kaufen, weil mein Geschmack sich über die Jahre verändert hat und ich es mittlerweile etwas filigraner, leiser mag.

The Footbolt Shiraz

Domaine Gauby Les Calcinaires Rouge

Vanille, Sauerkirsche, Erdbeepflaume, trockener Waldboden, weißer Pfeffer, Thymian.


All das sollte eigentlich eher dumpf, irgendwie schwer daherkommen, wird aber von einer kräftigen Meeresbrise rübergeweht, die dem ganzen eine große Frische überhilft. Im Mund noch ein wenig Salz dazu – und fertig ist meine Bezahlbarer-Rotwein-Entdeckung des Jahres (die ich ohne Christoph natürlich nie gefunden hätte). Würde ich aber eher im Sommer trinken, das Zeugs.

Domaine Gauby Les Calcinaires Rouge

Here no Pizza

In der Toskana gewesen. Florenz. Am Abend nach der Ankunft im Bahnhofsviertel ein Stück Pizza auf die Hand für 2,-. Sehr fettig, origamiartig auf ein Wachspapier gelegt, gleichzeitig darin eingeschlagen und dennoch sofort verzehrfertig. Grandioses Essen. Bei uns wär’s halt Currywurst.

Vor der Reise die angeblich beste Pizza der Stadt empfohlen bekommen und dafür sogar in Kauf genommen, einen Tisch mit einem fremden Paar zu teilen. Älteren Deutschen fällt das nicht leicht.

Das war eine neapolitanische Pizza. Dicker Rand, dünner Rest, maximal eine Minute im Holzofen (Feuer links für quasi-Umluft), wie es dieser Tage auch in Deutschland modern ist und im „485 Grad“ (in gut mit guter Bedienung, darum werde ich da auch wieder hingehen) und im „Standard“ (in geradesomittel mit schlechter Bedienung, darum werde ich da auch nicht wieder hingehen) gegessen werden kann. Ins Pizzaiuolo werde ich wohl auch nicht nochmal gehen, obwohl ich fest vorhabe, 2017 nochmal nach Florenz zu fahren, weil es da nämlich wirklich hübsch ist. Auch und gerade der Groteskfriedhof oben auf dem Berg.


Die normale Pizza jedenfalls hatte zu wenig Salz im Teig und zu wenig Geschmack im Belag und ich bin froh, dass ich sie nicht gegessen, sondern mich für eine „Pizza Fritta“ entschieden habe, im Grunde eine Calzone aus der Fritteuse, was schonwieder verdächtig nach einer Aktion des Kiffergenesungswerkes aussah, zumal die Füllung recht scharf und darum geschmacksintensiver war, aber lange nicht so, wie die normale Pizza in der Trattoria Toscana, die ich gelegentlich aufsuche, weil sie nämlich nicht hinter einer Flugreise sondern vorne an der Ecke liegt und die Pizza dort sehr gut schmeckt. Besser jedenfalls, als in der angeblich besten Pizzeria Florenzens, aber das habe ich glaub ich schon gesagt.

Mit den Kolumbianern haben wir uns dann die Nacht bei Rotwein um die Ohren geschlagen, uns köstlich amüsiert und die üblichen Einladungen ausgesprochen, die wir diesmal sogar ehrlich gemeint haben. Sie ist Ärztin, er macht in Versicherungen, eine in Kolumbien erst noch aufstrebende Branche, weil die Leute erst dann Versicherungen kaufen würden, wenn sie sonst keine Probleme hätten. Ich fand das einleuchtend.

Am nächsten Tag in einer Seitenstraße einen Feinkostladen mit Kleinküche gefunden, dessen dicker Besitzer bloß Italienisch sprach, so dass wir einfach die Speisen genommen haben, bei deren Nennung er am zufriedensten aussah, was bei mir zu einer knusprigen Stulle mit selbstgemachter Leberpastete geführt hat.


Außerdem, auf der Karte ins Englische übersetzt, Nudeln mit Wildschweinsößken, Gulasch mit dunkler Pfeffertunke und Tomatenbrot, das der Italiener „Bruschetta“ ruft, um mich zu demütigen, weil ich immer erstmal überlegen muss, wie man es ausspricht. Der offene Wein kam aus zweifelhafter Quelle, aber das war egal, denn der Laden war einer von denen, in und mit denen man alt werden möchte, wofür Florenz ja sowieso nicht der schlechteste Ort wäre. Außer im Hochsommer vielleicht.

Here no Pizza