Berlinberlin

Dieses Bild habe ich irgendwann 2008 aufgenommen. Dummerweise mit einer Kamera, die für solcherlei Aufnahmen im Grunde ungeeignet war, irgendeine kleine Hosentaschenlumix war das, und dass ich das Foto überhaupt machen konnte, war purer Zufall.

Ich war spazieren auf der Fischerinsel, stand vor einem dieser Hochhäuser und dachte mir: „zieh mal an der Tür“, die dann auch einfach aufging. Glücklicherweise waren an den Enden der Flure kleine, balkonartige Austritte mit Geländer, auf das ich die Kamera stellen konnte. Viertelsekunde, Selbstauslöser und den Rest der Automatik überlassen. Irgendwann will ich mir nochmal mit einer ordentlichen Kamera Zutritt verschaffen. Trotzdem eins meiner liebsten Bilder.

Berlinberlin

Alte Liebe

Ich habe dieses alte Mädchen seit mindestens 20 Jahren nicht benutzt – und glücklicherweise trotzdem aufbewahrt (weil sie mich an einen verstorbenen Freund erinnert).


Batterien rein. Der Belichtungsmesser meldet sich, immerhin die langen Zeiten klingen plausibel, jetzt kommt ein Film rein und dann kuck ich mal.

Dass ich ausgerechnet über eine Einwegkamera – immerhin eine Ilford XP2 – zurück zur Analogfotografie kommen würde, hätte ich auch nicht gedacht.

Alte Liebe

Fastfood für zuhause

In Berlin hat vor ein paar Monaten ein neues Restaurant eröffnet: Die SardinenBar. Neuartig daran, außer für Portugal-Reisende: Es gibt kaum etwas anderes als hochwertigen Dosenfisch, von dessen Existenz ich bisher praktisch nicht wusste. Die Bar ist assoziiert mit dem Feinkostladen Maitre Philippe, von dessen Existenz ich zwar wusste, dessen Sortiment mir aber unbekannt war, obwohl eine des Maitres Töchter zum Freundeskreis gehört (ja, es ist mir peinlich).


Die Dosen, die in der Bar serviert werden, werden im Laden verkauft und ich habe mir einen Stapel davon ins Regal gelegt, so dass ich immer was gutes zu essen im Haus habe. Eine Dose kostet zwischen vier und neun Euro, kauft man bei Philippe gleich ein ganzes Sortiment, kostet die Dose im Schnitt fünf. Bestellen geht auch.

Die besten, trockenen Nudeln, die ich kenne, kosten 4,50 das Pfund. Eine Dose Sardinen (es gibt auch Tunfisch und Bacalhau) reicht für ein Pfund Nudeln. Nudeln kochen, abgießen, zurück in den Topf, Sardinenbüchse auf, kompletten Inhalt in den Top kippen, umrühren, fertig. Eventuell noch etwas Zitrone dazu, um das Ganze etwas aufzufrischen. Ein außergewöhnliches und trotzdem schnelles, einfaches Essen in bester Qualität für zwei Personen (inklusive Nachschlag) kostet also einen knappen Zehner.

Und jetzt kommst Du, Mägges!

Fastfood für zuhause

BBB (Burger)

Ostkreuz, Sonntag- Ecke Neue Bahnhofstraße war immer einer von diesen Läden, in denen Umlandhosenträger schlechte Cocktails in dicken Gläsern zu sich nehmen und dazu einen griechischen Bauernsalat (= Würfelweichkäse „griechischer Art“ aus der Packung) speisen konnten. Glaub ich. Drin war ich nie. War mir immer zu prollig von außen. Aber egal.

Seit zwei Monaten ist ein neuer Laden drin. Da gibt’s Burger. Das ist jetzt nicht unbedingt ein neues Konzept, eher kurz vor inflationär, aber mir gefiel die Einrichtung und ich mag Burger, also mal rein und ausprobiert.

Das Konzept liegt bewusst zwischen Burgerbar und Restaurant, die Preise sind etwas erhöht (Burger ohne Extras 8,- bis 10,-), im Hintergrund laufen leise Johnny Cash, Pulp Fiction OST und sowas und als ich meinen Burger ohne Ketchup bestellt habe, sagte der Kellner: „We wouldn’t ruin our Burgers like that“ und brachte einen gut essbaren Burger anstelle eines gut fotografierbaren.

Gestern war ich zum dritten Mal dort, Qualität und Geschmack waren jedesmal außergewöhnlich und das Fleisch frisch genug für „rare“. Das ist momentan der zweitbeste Burger, den ich in Berlin kenne und das vegetarische Angebot soll auch sehr gut sein (hab’s nicht selbst probiert). Ich hoffe, die halten die Qualität langfristig.

BBB Berlin, Sonntagstraße 1, Friedrichshain.

BBB (Burger)

Erklär mir konservativ

Ich verstehe nicht, was „konservativ“ bedeutet. Immer, wenn ich versuche, die Gedanken und Haltungen zuende zu denken, die mir bei mir und anderen konservativ erscheinen, lande ich in einer nationalistischen, reaktionären, unsolidarischen, autoritären Welt voller Verbote, in der das Neue und die Anderen abzulehnen, auszugrenzen und zu bekämpfen sind, in der nicht alle Menschen dieselben Rechte haben und nicht jeder nach seinem Gusto zufrieden leben soll, sondern stets so, wie es dem Konservativen gerade passt. Gleichzeitig sagen mir die Konservativen, dass Konservatismus ja gar nicht so sei, er genau nicht zu dieser Art rechtsreaktionärem Spießertum führt.

Aber wohin denn dann? Wie sieht die Welt aus, in der Konservative gerne leben würden? Ich würde das wirklich gerne verstehen.

Erklär mir konservativ

The Footbolt Shiraz

Eine der ältesten Flaschen in meinem Alltagsbestand. Schon mehrfach mit umgezogen und nie wirklich gut behandelt worden.


„Mach halt mal auf, ist eh bestimmt längst kaputt“, hab ich gedacht. Aber nixda! Ich sabbere (wo hat der so viel Säure her?) von einem Kompott aus drei schwarzen Kirschen, einer Pflaume, einem Stück sehr dunkler Schokolade und einem Pfefferkorn, serviert in einem alten Tabaksbeutel. Dabei noch sehr frisch auf seine alten Tage und, trotz der eher nicht vorhandenen Eleganz, gar nicht so schwer.

Der hätte noch ein paar Jahre durchgehalten, wäre aber vermutlich nicht mehr besser geworden. Schöner Wein – wenn man es etwas üppiger mag. Würde ich heute nicht mehr kaufen, weil mein Geschmack sich über die Jahre verändert hat und ich es mittlerweile etwas filigraner, leiser mag.

The Footbolt Shiraz