Venedig

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Wir waren ein paar Tage in Venedig. Im Frühjahr und im Herbst kann man gut dorthin fahren, denn dann ist es nicht so schrecklich voll. „Leer“ bedeutet beim Markusplatz ungefähr dasselbe wie „Werktag auf dem Alexanderplatz“, es ist also nicht menschenleer, aber mann kann geradeaus laufen, ohne angerempelt zu werden. Jedenfalls nicht rund um die Sehenswürdigkeiten und auf den Straßen, auf denen Touristen sich normalerweise rumtreiben, also die, auf denen es Shopping-Möglichkeiten gibt.

50 Meter abseits der Shoppingstraßen trifft man dafür aber wiederum auf kaum Menschen und noch weniger Touristen – dafür aber auf Gaststätten, die einen Besuch lohnen. An der Fondamenta Diedo beispielsweise gibt es die Craftbier-Bar „il santo bevitore“. Die liegt gerade mal 20 Meter von der Strada Nuova entfernt, einer recht stark frequentierten Einkaufsstraße, die man von der Bar aus aber nicht einsehen kann. So sitzt man schön draußen, trinkt schön Bier und kann schön das Geplärre der überforderten Teenager auf Klassenfahrt hören, ohne davon wirklich belästigt zu werden. Der Laden hat 21 Biere vom Fass – die größte, mir bisher bekannte Zapfanlage (im Berliner Doldenmädel) hatte 18 – und gefühlt 100 aus der Flasche. Dazu Personal, das genau weiß, wovon es spricht, und sehr freundlich ist zu Menschen, bei denen es merkt, dass sie nicht bloß nen schnellen Schluck in einer fancy Bar trinken wollen, sondern die sich Gedanken darüber machen, was genau sie trinken wollen und warum. Es mag tollere geben, aber das war die tollste Bierbar, die ich bisher betreten habe.

Essen kann man in Venedig sehr gut. Leider ist es häufig auch sehr teuer. Das günstige Essen ist wiederum oft sein Geld nicht wert, weil Touristen sowieso immer kommen und man sich nicht sonderlich bemühen muss. Eine gute Mischung aus nicht allzu teuer und ziemlich lecker ist die Rosticceria San Bartolomeo (auch: Rosticceria Gislon) in der Calle de la Bissa, mitten in San Marco. Das Essen hier ist typisch venezianisch (Baccalá und so), was man so oft ja auch nicht bekommt, und die Einrichtung ähnelt der einer zur Kantine erweiterten Frittenbude, was vermutlich der Grund dafür ist, dass ich dort bisher immer nur wenig Laufkundschaft habe reinschneien. Vermutlich sprechen die Angestellten dort deshalb auch nur sehr gebrochenes Englisch.

Frühstück gibt’s im Hotel, so dass ich jetzt immerhin schonmal weiß, was ich Venedig machen würde, wenn ich nur einen Tag zur Verfügung hätte.

Ich hätte auch noch ein kleines Flickr-Album im Angebot.

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